Persönlichkeit entwickeln

Persönlichkeitsstörung Teil 8: Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung

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Auf einen Blick:

1. Seite: Überblick Ängstlich-Vermeidende Persönlichkeitsstörung

2. Seite: Diagnosekriterien

3. Seite: Ätiologie

4. Seite: Abgrenzung

5. Seite: Komorbidität und Therapie

6. Seite: Zusammenfassung

 

Seite 3 - Ätiologie

 

Schüchternheit und ängstliche Persönlichkeitsstörung

Dass das Bindungsverhalten für die Entwicklung von Selbstvertrauen und für das Hineinwachsen in zwischenmenschliche Beziehung eine wichtige Rolle spielt, ist in der Persönlichkeitspsychologie gut am Beispiel der Langzeitentwicklung von Schüchternheit untersucht. Dabei spielen auf der einen Seite die Temperamentsanlagen eine gewisse Rolle, welche jedoch auf der anderen Seite durch ambivalent-ängstliche Erziehungsstile der Eltern beeinflusst und Ablehnungsergebnisse in Kindergarten oder Schule weiter verstärkt werden. Zunehmende Unsicherheiten, Hemmungen gegenüber Gleichaltrigen und wegen der eigenen Zurückhaltung nicht beachtet zu werden, können Rückzugstendenzen massiv verstärken und einen unglücklichen Teufelskreis in Gang setzen. Zunehmender Mangel an Freundschaftsbeziehungen kann bereits früh für Einsamkeit und depressive Verstimmungen sorgen. Da Schüchternheit als eine zentrale Eigenart der ängstlichen Persönlichkeit zu tragen kommt, liegt es nahe, ähnliche Entwicklungsbedingungen zu vermuten.

Biosoziale Lerntheorien

Immer häufiger werden so genannte biogenetische Ursachen diskutiert, darunter insbesondere eine persönlichkeitstypische Vulnerabilität (= Verwundbarkeit), die sich durch innere Unruhe, Anspannung, Nervosität und schließlich Verletzbarkeit zeigt. Es könnte eine genetische Prädisposition (erblich bedingte Anlage) geben, die bei ungünstiger Kombination durch die drohenden psychosozialen Konsequenzen im Alltag schließlich lebenslang belastet. So wird diskutiert, dass solche Menschen bereits im Kindesalter entweder durch ein überaus „überdrehtes“ bis reizbares zwischenmenschliches Kontaktmuster aufgefallen sind oder durch ein gehemmtes, verschlossenes und in sich gekehrtes Verhalten irritieren. Die sozialen Folgen dieser Auffälligkeiten können gleichermaßen verlaufen: Zurückweisung, Abwertung, Ablehnung, Kritik, Benachteiligungen etc. und dadurch auch vermeidendes und ängstliches Verhalten bei den Beteiligten hervorrufen. 

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