Persönlichkeit entwickeln

Stille Wasser - Die Kraft der Introvertierten

9273 Leser / 0 Kommentare
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)

 

Wie Introvertierte ihre Stärken besser einsetzen können

Introvertierte erleben oft einen inneren Konflikt, wenn sie bemerken, dass ihre individuellen Bedürfnisse, wie etwa manche Dinge lieber im Alleingang zu erledigen, nicht unbedingt als gesellschaftliche Norm gehandelt werden. Der erste Schritt besteht also in Richtung Selbstakzeptanz, etwa zu begreifen, dass nichts mit einem verkehrt ist, wenn die Aussicht auf einen gemütlichen Abend zuhause attraktiver erscheint, als auf eine Feier mit vielen unbekannten Gesichtern zu gehen. Introvertierte genießen sehr wohl die Gesellschaft anderer, nur in kleineren Dosen. Eine abgelehnte Einladung bedeutet daher nicht, dass sie sich nicht für ihre Mitmenschen interessieren. Introvertierte sollten sich also nicht vorwerfen müssen, misanthropisch oder zu schüchtern zu sein – auf die Dosis und den Zeitpunkt kommt es an. Das dürfen die Mitmenschen auch wissen, und sich in dieser Hinsicht nicht verstellen zu müssen wirkt sich positiv auf Beziehungen aus.

Außerdem können Introvertierte ihre Züge im Arbeitsumfeld bewusst als Stärken hervortreten lassen. Arbeitgeber wissen die leisen, reflektierten Mitarbeiter zu schätzen, weil sie fokussiert an Arbeitsaufgaben herangehen und auf das Arbeitsklima ausgleichend wirken. Eine Mischung von verschiedenen Typen von Arbeitskräften kann also als geballte Ladung von Potentialen gesehen werden. Introvertierte Menschen werden in Verhandlungen weniger emotional, sondern bleiben souverän; sie können besonders gut zuhören und sind somit auch für ihre Kollegen angenehme Zeitgenossen. Susan Cain betont, dass es eine Reihe von Leistungen gibt, die wir nicht trotz unserer Introversion, sondern gerade wegen unserer Introversion erzielen. Aus dieser Perspektive lohnt es sich, sich selbst treu zu bleiben und genau diese Stärken bewusst einzusetzen.

Introvertierte können sich von dem Zwang befreien, mehr aus sich herauszukommen und der Aufforderung anderer, endlich "aus seinem Schneckenhaus zu kriechen", nachzukommen, wenn es schlichtweg nicht das ist, was ihrer Natur entspricht. Zum Introvertiertsein gehört also auch eine Portion Mut. Wenn sich Introvertierte ihrer eigenen Komfortzone bewusst machen und versuchen, ihre Umgebung und Aufgaben so zu gestalten, dass sie weder unter- noch überstimulierend sind, können sie zu ihrer Höchstform auflaufen. Introversion ist kein Laster, das es aus der Welt zu schaffen, sondern besser in die bestehende Welt zu integrieren gilt. So können alle auf der Achse von Introversion bis Extraversion zusammenarbeiten, mit dem Ziel einer erhöhten Vielfalt in unserer Lebens- und Arbeitswelt. Die Welt braucht nämlich beides – die Extravertierten wie die Introvertierten, die Lauten wie die Leisen.

Autor: Marlene Heinzle (Impulsdialog)

Seite 1 2 3 / Auf einer Seite lesen / PDF Download

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Bewertung des Artikels:
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)