Selbstbewusstsein stärken

Die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen

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Im einem Video der Weltgesundheitsorganisation mit dem Titel "I had a black dog, his name was depression." (deutsch: "Ich hatte einen schwarzen Hund, sein Name war Depression") schildert der Autor Matthew Johnstone eindrucksvoll, wie es ist, mit Depressionen zu leben. Seine Erkrankung bezeichnet er dabei metaphorisch als schwarzen Hund, der ihn überall hin verfolgt und in vielen Lebenssituationen Einfluss nimmt. Er erzählt von der Angst, dass andere von seiner Erkrankung erfahren würden – aufgrund des Schamgefühls und des Stigmas, das damit verbunden ist. Gleichzeitig schildert der Autor auch, wie er lernt, mit dem schwarzen Hund zu leben und ermutigt andere, ihre Probleme offen zu kommunizieren und sich Hilfe zu holen. Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum Video auf Youtube:

 

Anti-stigmatisierende Botschaften

Botschaften wie diese sind wichtig, um der Öffentlichkeit ein aufgeklärteres Bild über psychische Erkrankungen zu vermitteln. Kampagnen möchten dabei Wissen vermitteln, das dazu beitragen soll, dass Menschen Symptome und Verlauf von Krankheiten besser verstehen können und sie so zu einer informierten, wohlüberlegten Einstellung im Umgang mit Betroffenen gelangen. Diese Art der Bildung und Wissensvermittlung stellt ein möglicher Weg dar, Stigmatisierung im öffentlichen Leben zu vermindern, indem verzerrte Wahrnehmungen abgebaut und ein übereinstimmenderes Bild mit der Realität angestrebt wird. Wie weitreichend solche Kampagnen und öffentliche Botschaften allerdings wirken und wie groß der Effekt ist, den sie erzielen, ist allerdings noch nicht gut genug untersucht.

Wie eine solche Aufklärungsarbeit optimalerweise aussieht hängt darüber hinaus davon ab, welche Erkrankungen und welche Aspekte davon, beispielsweise das mit medikamentöser Behandlung verbundene Stigma, thematisiert werden. Eine offene Kommunikation und gemeinschaftliches Arbeiten sowie Prävention und Aufklärung werden jedoch sowohl von Betroffenen selbst als auch von Anbietern von Gesundheitsleistungen als vielversprechende Möglichkeiten gesehen. Als Möglichkeiten, Stigma zu reduzieren, und auch als Weg, psychisch Erkrankten eine ärztliche und therapeutische Versorgung zugänglicher zu machen und ihnen somit zu einer besseren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verhelfen.



Autor: Marlene Heinzle (Impulsdialog)


Quellen:

Angermeyer, M.C., & Dietrich, S. (2006). Public beliefs about and attitudes towards people with mental illness: a review of population studies. Acta Psychiatrica Scandinavica, 113(3), 163-179.

Corrigan, P.W., Kerr, A., & Knudsen, L. (2005). The stigma of mental illness: Explanatory models and methods for change. Applied and Preventive Psychology, 11, 179-190. Goffman, E. (1963). Stigma: Notes on the Management of Spoiled Identity. Middlesex: Penguin Books.

Raingruber, B. (2002). Client and provider perspectives regarding the stigma of and nonstigmatizing interventions for depression. Archives of Psychiatric Nursing, 16(5), 201-207.

Rüsch, N., Angermeyer, M.C., & Corrigan, P.W. (2005). Mental illness stigma: Concepts, consequences, and initiatives to reduce stigma. European Psychiatry 20 (2005); 529-539.

Smart, J. F., & Smart, D. W. (2006). Models of disability: Implications for the counseling profession. Journal of Counseling and Development: JCD, 84(1), 29-40.

Wood, L., Birtel, M., Alsawy, S., Pyle, M., & Morrison, A. (2014). Public perceptions of stigma towards people with schizophrenia, depression, and anxiety. Psychiatry Research, 220, 604-608.

http://www.gesundheit.de/krankheiten/psyche-und-sucht/depressionen/depression-entstehung-und-haeufigkeit

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Ein Kommentar

Dieser Artikel spricht auf jeden Fall ein sehr wichtiges und total vernachlässigtes Thema an! Es ist an der Zeit endlich einzusehen, dass eine psychische Krankheit weder eingebildet ist noch Betroffene zu gefährlichen Psychopathen macht, wie es uns die Thriller-Abteilung im Buchladen glauben machen will. Man sollte psychisch Kranken verständnisvoll und vorurteilsfrei gegenübertreten und sie nicht noch mehr belasten, indem man unangemessen und uninformiert auf etwas reagiert, dass schon lange kein Tabuthema mehr sein sollte!
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JuliaS

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