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Persönlichkeitsstörung 3: Schizoide Persönlichkeitsstörung

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Es gibt Personen, die stoßen andere dauernd vor den Kopf. Sie haben wenig Interesse an dem Gegenüber und wirken (vielleicht auch deshalb) so ablehnend. Wenn man sich noch näher mit diesen Personen beschäftigt (oder gar beschäftigen muss), dann fällt auf, dass sie nicht nur reserviert, zurückgezogen und abweisend sind, insgesamt scheinen die sozialen Fähigkeiten gering ausgeprägt.

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Diese Personen wirken sehr kühl, können keine warmen Gefühle oder aber auch Zorn und Ärger gegenüber anderen auszudrücken. Es besteht eine Gleichgültigkeit gegenüber Lob oder Tadel. Offenbar gibt es für diese Personen nur wenige Tätigkeiten, die Freude oder Vergnügen bereiten. Und deshalb haben sie auch keine (engen) Freunde, Bekannte oder Vertraute - ob gewünscht oder (meistens) eben auch nicht.

Das bleibt nicht ohne Konsequenzen im Alltag, wobei zwar die zwischenmenschliche Atmosphäre, aber nicht unbedingt die Leistung am Arbeitsplatz leiden muss. Im ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) wird die Schizoide Persönlichkeitsstörung so beschrieben: "Eine Persönlichkeitsstörung, die durch einen Rückzug von affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit übermäßiger Vorliebe für Phantasie, einzelgängerisches Verhalten und in sich gekehrte Zurückhaltung gekennzeichnet ist. Es besteht nur ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben."

Es sind männliche Personen öfters betroffen als weibliche. Das könnte daran liegen, dass solch ein phlegmatisches Verhalten bei Frauen mehr missbilligt wird als bei Männern. Ebenfalls tritt eine schizoide Persönlichkeitsstörung meist nicht isoliert sondern kombiniert mit anderen Krankheiten auf. Die Schizoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 Codierung = F60.1) ist nicht mit Schizophrenie oder der schizotypischen Persönlichkeisstörung zu verwechseln.


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Im Rahmen der Klassifikation nach ICD-10 müssen mindestens vier der folgenden Eigenheiten oder Verhaltensweisen vorliegen:

  • emotionale Kühle, Distanziertheit oder ein abgeflachter Affekt liegen vor
  • wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude
  • es besteht eine reduzierte Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle für andere, oder Ärger auszudrücken
  • der Betroffene erscheint gleichgültig gegenüber Lob oder Kritik von anderen
  • es besteht wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen
  • Aktivitäten, die alleine durchgeführt werden, werden fast immer bevorzugt
  • es besteht eine übermäßige Inanspruchnahme durch Phantasien und Introvertiertheit
  • es bestehen keine oder es werden keine engen und vertrauensvollen Beziehungen oder Freundschaften gewünscht (bzw. höchstens eine)
  • es gibt ein mangelhaftes Gespür für die geltenden sozialen Normen und Konventionen (wenn diese nicht befolgt werden, geschieht dies unabsichtlich)


Die Meisten, die sich diese wichtigen Merkmale einer schizoiden Persönlichkeitsstörung vor Augen halten, kennen Menschen, die ihnen dazu mehr oder weniger spontan einfallen. Zum Beispiel der gering ausgeprägte Wunsch nach zwischenmenschlichen Beziehungen. Dies liege, so schildern es Betroffene (falls man überhaupt dazu eine Antwort bekommt), daran, dass gemeinsame Aktivitäten und überhaupt das Zusammensein mit anderen als einfach nicht befriedigend erlebt werden. Warum sollte man dies also tun? Und wenn andere versuchen, mit schizoiden Personen Kontakt aufzunehmen, werden sie mitunter sogar als aufdringlich bis lästig abgewiesen. Aus Sicht der Betroffenen verständlich, es wird ja förmlich diese unbefriedigende Tätigkeit aufgezwungen. Von daher ist die logische Folge eine schroffe Abweisung. Es muss nicht zwingend negativ sein, wenn eine Person anderen lieber aus dem Wege geht und am liebsten für sich alleine tätig ist. Die Mehrzahl solcher Personen ist nicht gerade passiv, sondern durchaus sehr aktiv und konstruktiv. Dies zeigt sich häufig in der beruflichen Laufbahn oder auch in der Freizeit mit zum Teil erstaunlichen Erfolgen. Wie bei den meisten Persönlichkeitsausprägungen ist auch hier der Ausprägungsgrad und der (nicht) vorhandene Leidensdruck (für sich oder das Umfeld) wichtig zu betrachten. 

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Seite 3 - Abgrenzung schizotypische Persönlichkeitsstörung


Die schizoide Persönlichkeit ist nicht zu verwechseln mit der schizotypischen Persönlichkeitsstörung. Die schizotypische Persönlichkeit zeichnet sich durch ein tiefgreifendes Verhaltensdefizit im zwischenmenschlichen bzw. psychosozialen Bereich aus. Dies äußert sich in bestimmten Verhaltens-Eigentümlichkeiten, in einer mangelnden Fähigkeit zu engen persönlichen Beziehungen und Verzerrungen im Denken und Wahrnehmen. Betroffene treten häufig schrullig und exzentrisch auf. Schizotypische Betroffene haben die gleichen zwischenmenschlichen Probleme wie schizoide Personen, allerdings mit dem Unterschied, dass diese nicht abgebaut werden können.

 

Insgesamt sind Männer geringfügig häufiger von der Störung betroffen als Frauen. Das könnte aber mitunter auch an der Kultur liegen. Bei Männern wird solch ein typisches Verhalten tendenziell eher akzeptiert als bei Frauen.

Einen eigenen ICD- oder DSM-IV-Code gibt es (noch) nicht. Diese Störung wird häufig dem Bereich der Schizophrenie zugeordnet, da sie noch zu wenig erforscht ist. Bei der Erkrankung lässt sich kein exakter Beginn feststellen. Die Entwicklung und der Verlauf entsprechen gewöhnlich einer Persönlichkeitsstörung. Zudem gibt es hier ebenfalls einen chronischen Verlauf mit unterschiedlicher Intensität. Die Störung findet sich häufiger bei Personen mit schizophren Erkrankungen in der Familie. Man nimmt deshalb an, dass sie einen Teil des genetischen Spektrums der Schizophrenie verkörpert. Gelegentlich entwickelt sich aus einer schizotypischen Störung eine eindeutige Schizophrenie.


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Seite 4 - Zusammenfassung

Menschen mit einer schizoiden Persönlichkeitsstörung fällt es schwer Emotionen, negative sowie positive, nicht ausdrücken. Sie sehen wenig Freude in Tätigkeiten und Lob und Tadel stehen sie häufig Gleichgültig gegenüber. Dies führt zu wenigen engen sozialen Kontakten, beruflich können Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung uneingeschränkt arbeiten.

 

Weiterführende Links:

Persönlichkeitsstörung Teil 1: Welche Ursachen und Auswirkungen haben sie auf unser Erleben?
Persönlichkeitsstörung Teil 2: Paranoide Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung Teil 3: Schizoide Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung Teil 4: Dissoziale Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung Teil 5: Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (mit Borderline-Störung)
Persönlichkeitsstörung Teil 6: Histrionische Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung Teil 7: Anankastische (auch zwanghafte) Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung Teil 8: Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung Teil 9: Asthenische Persönlichkeitsstörung (oder auch abhängige Persönlichkeit genannt)
Persönlichkeitsstörung Teil 10: Sonstige Persönlichkeitsstörungen wie z.B. die narzisstische Persönlichkeitsstörung

Foto: Steffen Walther

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Ein Kommentar

Danke für die Anregungen. Da es nicht zu Persönlichkeitsstörungen passt, hat unser Team dazu demnächst vor einen eigenen Bericht zu verfassen. Dieser wird dann mit diesem Artikel verbunden, so dass auch hier etwas dazu auftauchen wird.
Das sollte helfen die wichtige Differenzierung zu verdeutlichen.
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