Persönlichkeit entwickeln

Onlinespiele und Freundschaften – Sozial trotz oder dank Cyber Space?

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Onlinespiele und soziale Unterstützung – Studie 1

Eine interessante Frage ist , ob dieses online bestehende soziale Kapital auch in offline erfahrene soziale Unterstützung mündet. Mit anderen Worten: Beeinflusst bei Personen, die man auch im „realen Leben“ kennt, die Beziehungspflege im virtuellen Raum auch die offline Beziehung positiv?
Zur Beantwortung dieser Frage, untersuchte man in einer groß angelegten online Befragung 811 Spieler, die in der Electronics Sports League (ESL) aktiv waren, einer Wettkampf-Liga für Computerspiele. Die Wissenschaftler führten Messungen mehrerer Indikatoren für soziales Kapital innerhalb virtueller Spielgemeinschaften (sogenannter „Clans“) durch. Es zeigte sich, dass soziale Nähe (gegenseitige Erreichbarkeit mit Bezug auf organisatorischen Kontakt im Clan) und Vertrautheit (Häufigkeit der online Begegnung zum gemeinsamen Üben) sich positiv auswirken auf die Erschließung sozialen Kapitals – die (zunächst) schwächere Beziehungen beinhaltet, in welchen sich die Interaktionspartner als übereinander informiert und voneinander inspiriert empfinden. Eine zweite Dimension sozialen Kapitals, die Festigung sozialen Kapitals – die starke soziale Bindungen beinhaltet, welche emotionale Unterstützung bieten und eine Verständnisquelle darstellen – wurde ebenfalls positiv befördert durch soziale Nähe, Vertrautheit und darüber hinaus durch räumliche Nähe (u. a. Häufigkeit von offline Treffen zum gemeinsamen Üben). Bezugnehmend auf die am Anfang genannte Frage, stellte sich heraus, dass beide Dimensionen sozialen Kapitals (Erschließung und Festigung) in positiver Beziehung zur offline gewährten sozialen Unterstützung stehen. Das bedeutet konkret, dass sich

Spieler, die durch ihre spielbasierte Beziehung zueinander soziale Nähe und Vertrautheit aufbauen und sich zudem vielleicht noch räumlich nahe sind, soziales Kapital anhäufen, welches schließlich darin mündet, dass sie sich unabhängig vom Onlinespiel gegenseitig unterstützen in Form von:

  • Unterstützung durch Informationen (Ratschläge),
  • Emotionale Unterstützung (Rückversicherung, Zuhören) und
  • Unterstützung durch konkrete Handlungen (Hilfe).

 

Soziale Online Spiele und offline Freundschaften – Studie 2

 Nun mag sich der ein oder andere fragen, ob diese Beziehungen, die Onlinespieler aufbauen und die, wie eben gesehen, in reale Unterstützung münden können, wirklich nicht den Aufbau und die Pflege klassischer Freundschaften gefährden. Untergraben sie die Fähigkeit zu „richtigen“ Freundschaften?
Zur Beantwortung, ob derartige (häufig anzutreffende) Zweifel angebracht sind und ob vielleicht sogar innerhalb einer bestehenden engen Beziehung ein Wechsel zwischen online und offline Freundschaft (und umgekehrt) zu beobachten ist, wie im Einleitungsteil vorausgesetzt, untersuchten Wissenschaftler eine repräsentative Gruppe von 2213 Onlinespielern und 287 Nichtspielern aus Deutschland. Sie erfragten dazu Informationen zum Alltagsleben und zu den spielbasierten Beziehungen.
Es stelle sich heraus, dass sich Spieler sozialer Onlinespiele hinsichtlich der Zahl ihrer engen Freunde nicht von Spielern anderer Computerspiele und Nicht-Spielern unterscheiden. Allerdings bestätigte sich die naheliegende Annahme, dass die Häufigkeit des Spielens sozialer Onlinespiele die Wahrscheinlichkeit ausschließlich online Freunde zu treffen erhöht. Dies ist logisch, da der Tag nur eine begrenzte Zeitspanne bietet und jede Tätigkeit, die für andere Tätigkeiten zur Verfügung stehende Zeitspanne reduziert. Spieler, die jedoch über ein ausgeprägtes Motiv zum Aufbauen sozialen Kapitals und zum Spielen von Teamspielen verfügen, weisen die höchste Wahrscheinlichkeit auf, ihre soziale Beziehung aus dem Internet irgendwann in den offline Kontext zu verschieben. Dass dieser Transformationsprozess stark von den Motiven des Spielers abhängt, wurde unter anderem daran deutlich, dass die Zeit, wie lange jemand schon in der virtuellen Welt aktiv ist, in keiner Verbindung zu diesem stand.
Die Autoren fassen ihre Ergebnisse mir den Worten zusammen, dass Spieler sozialer Onlinespiele hinsichtlich sozialer Beziehungen gut integriert sind und die Spiele nutzen um Zeit mit alten Freunden zu verbringen und neue Freunde zu gewinnen.

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