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Erfahrungsbericht Morbus Crohn: Eine Krankheit als Chance

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Ich verstand es, aber was sollte ich damit anfangen?
Ich war 10 Wochen in der Klinik. Ich lernte dort vieles mehr, setzte zu Hause alles daran Dinge, die mir nicht gut taten zu ändern. Ich änderte meine Denk- und Verhaltensweisen. Das gelang mir auch gut. Ich war stolz auf mich. Der Weg war nicht einfach, aber von einfach war nie die Rede. Ich bin heute noch froh, in die Klinik gegangen zu sein. Als ich ca. 6 Wochen zu Hause war, nahm ich ein Ehrenamt an. Das war der Anfang. Ich tat etwas, das mir Spaß machte. Außerdem fing ich an ein Buch zu schreiben. Ich schrieb 3 Seiten und hörte auf. Ich fand es grottenschlecht und dachte mir, dass ich so etwas niemals schaffen werde. Diese drei Seiten interessieren doch bestimmt keinen Menschen. Ich schloss die Datei. 

Mit 43 Jahren (2013) brachte mich das erste Mal in meinem Leben eine Psychose in die Psychiatrie. Anschließend hatte ich 4 Monate starke Depressionen, wollte Suizid begehen. Auch da spielte der Morbus Crohn eine Rolle. Die Ärzte boten mir zur Behandlung der Depression die EKT (Elektrokrampftherapie) an, sie wollten den Verdauungstrakt umgehen, weil einige Antidepressiva Darmbluten bei Morbus Crohn hervorrufen können. Ich entschied mich für ein Antidepressiva ohne diese Nebenwirkung. Das war wirklich eine hoffnungslose, harte Zeit für mich. Heute sage ich, der Morbus Crohn ist dagegen ein Schnupfen.
Als ich wieder gesundete, musste ich die Erlebnisse aufschreiben um es irgendwie verarbeiten zu können. Plötzlich fiel mir die Datei wieder ein, mit dem angefangenen "grottenschlechten" Zeilen. Ich ließ die Seiten so stehen, wie sie waren und schrieb und schrieb! Daraus entstand mein Buch: Als mich das Glück fand, das ich im Jahr 2014 veröffentlichte. Da wusste ich, was es bedeutete die Krankheit als Chance zu sehen! Es bedurfte bei mir einer sehr viel schlimmeren Krankheit, als den Morbus Crohn, damit ich verstehen konnte.

 

Ich änderte meine Sichtweise!

Ich bin froh, dass bei mir das Immunsuppressiva hilft. Das ist nicht bei allen Crohn-Erkrankten so. Vielen hilft es nicht oder sie vertragen es nicht. Sie brauchen noch viel stärkere Medikamente. Leider wirkt das Immunsuppressiva erst nach ca. 3 Monaten, solange muss ich immer mal wieder Kortison nehmen. Die Nebenwirkungen sind äußerst unangenehm. Ich weiß aber, dass ich sie nur für eine begrenzte Zeit haben werde, auch das Mondgesicht. Was dann für mich zählt ist, dass ich keine Bauchschmerzen und keine Durchfälle mehr habe. Da hab ich doch wirklich unwahrscheinlich viel Glück mit meinem Crohn! Zudem kam der nächste Schub des Morbus Crohns erst, als ich psychisch wieder stabil war. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Die Depression und ein Schub des Crohns hätte ich wohl nicht überstanden.

Heute bin ich stolz auf mich, ein Buch geschrieben zu haben. Das hätte ich nie getan, wenn ich nicht so sehr krank geworden wäre. Auch hätte ich niemals gedacht irgendwann mal eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen zu leiten. Ich beteilige mich an einem Projekt namens "Verrückt! Na und?". Dort werden Jugendliche in Schulen über psychische Erkrankungen aufgeklärt. Aktuell baue ich eine Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Selbsthilfegruppe auf. Ich bin dort Kontaktperson. Diese Dinge wären für mich vor zwei Jahren noch unvorstellbar gewesen. Ich weiß jetzt genau, dass mich das Schreiben erfüllt und mir unglaublich viel Spaß macht. Und so schreibe und schreibe und schreibe ich...Texte und mittlerweile sogar Gedichte. Das Gute daran ist, ich habe immer eine Toilette für meinen Morbus Crohn in Reichweite!

Ich nenne den Morbus Crohn liebevoll "Cröhnchen", wer kann schon von sich behaupten ein "Cröhnchen" zu haben? HINFALLEN, AUFSTEHEN, "CRÖHNCHEN" RICHTEN, WEITERGEHEN!!!


Autorin: Sabine Schaub

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