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Erfahrungsbericht Morbus Crohn: Eine Krankheit als Chance

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Als ich 22 Jahre (1992) war, wurde eine Perianalfistel mit Abszessbildung diagnostiziert und operiert. Oft bilden sich bei Morbus Crohn Fisteln im Darm, manchmal suchen sie sich einen Weg nach außen. So in meinem Fall. Im Krankenhaus verbrachte ich 14 Tage. Die Nachbehandlung dauerte sehr lange (ca. 8 Wochen). Die Wunde musste nach jedem Stuhlgang austamponiert werden, damit sie von innen nach außen abheilte, das war sehr schmerzhaft. Bei meinem Durchfall, auf Grund des Crohns, musste die Wunde nicht nur einmal am Tag gereinigt und austamponiert werden.

Mit 24 Jahren (1994) trat ich in die nächste Reha an. Dies war keine psychosomatische Klinik. Ich nahm einmal die Woche das Angebot mit einem Therapeuten zu sprechen wahr. Tatsächlich konnte ich mich auf ihn einlassen, nahm die wöchentliche Sitzung sehr ernst. Anders als in dem ersten Klinikaufenthalt. Nach meiner Ausbildung ging ich nur noch ein halbes Jahr ganztags arbeiten. Dann musste ich auf halbtags reduzieren, weil ich es mit dem Crohn nicht mehr schaffte Vollzeit zu arbeiten. Oft fehlte ich krankheitsbedingt an meiner Arbeitsstelle. In dieser Klinik wurde mir nahe gelegt die Erwerbsunfähigkeitsrente (heute Erwerbsminderungsrente) zu beantragen. Zu dieser Zeit hatte ich einen Behindertenausweis mit 50 % Behinderungsgrad. Ich beantragte die Rente auf Zeit. Sie wurde auf 2 Jahre bewilligt. Einerseits war es sehr entlastend, als der Druck arbeiten gehen zu müssen weg fiel. Andererseits war es für mich schwer zu akzeptieren mit 24 Jahren berentet zu sein. Damals wusste ich nicht, dass ich nie mehr aus dem Rentendasein heraus kommen werde!

Was sollte ich mit der ganzen Zeit zu Hause anfangen?

Keine Aufgaben, keine Interessen. Ich lebte meine Krankheit aus und wusste ganz genau, dass ich nicht´s schaffen kann mit der Krankheit Morbus Crohn. Mein Selbstwertgefühl war am Boden. Ich ging kaum noch vor die Türe, weil ich Angst hatte keine Toilette in der Nähe zu finden. Das war, für mich das schlimmste an dem Crohn. Nicht die Schmerzen. Der Weg war geebnet depressiv zu werden.Ich begann eine ambulante tiefenpsychologische Therapie. Sie half mir nicht.

Zwei Jahre später, mit 26 Jahren (1996), kam der nächste Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik. Jetzt hatte ich den Crohn schon 10 Jahre mit einem sehr schweren Verlauf. Ohne Operation, weil es nicht möglich war ihn zu operieren. Er breitete sich in meinem ganzen Dünndarm und auch Dickdarm aus. Es war immer ein Stück entzündet und dann wieder nicht usw. Er war inoperabel. Der Crohn wurde bei mir immer konservativ, also mit Medikamenten behandelt.

Der Aufenthalt in dieser Klinik sollte 12 Wochen dauern. Dort bekam ich das erste mal ein Gefühl für meine Krankheit. Da ich sie 10 Jahre ignoriert hatte, wurde mir erst dort bewusst, das ich schwer krank bin. Ich bekam durch die Therapien ein Gefühl für mein Körper und konnte die Zeichen wahrnehmen die er mir gab. Die Depression hatte erstmals zugeschlagen und wurde dort mit Gesprächstherapie behandelt. Als ich nach Hause kam, ging es mir sehr viel besser. Auch körperlich. Ich änderte einige Dinge in meinem Leben, aber es hielt nicht lange an.

Also, mit 28 Jahren (1998) nochmals in eine psychosomatisch Klinik, wieder eine Therapie. Das gleiche Spiel wie in der vorangegangenen Klinik. Ich kam nach Hause, wieder ging es mir relativ gut.

Was hat das alles zu tun mit: Die Krankheit als Chance?

Ja, das wusste ich zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht. Es war doch eigentlich in den letzten 12 Jahren nur eine einzige Quälerei mit der Erkrankung. Mittlerweile kamen dann noch andere Krankheiten wegen der Nebenwirkungen des Kortisons hinzu. Ich bekam einen grauen Star, Osteoporose, innere Unruhe und Schlafstörungen. Außerdem gaben die Ärzte mir ein anderes Immunsuppressiva (Azathioprin), um Kortison einzusparen. Damit ging es mir sehr viel besser.

Da ich in meiner Jugend erkrankte, fand meine Pubertät einfach nicht statt. In der Zeit als andere feierten und sich zu Hause auflehnten war ich die meiste Zeit in Kliniken oder krank zu Hause. Oft trauerte ich meiner Pubertät nach, ich beneidete die Anderen, die schon so viel mehr Erfahrungen machen konnten. Als es mir mit 28 Jahren (1998) endlich wieder besser ging und ich an Lebensqualität gewann, ging ich auch feiern. Ich kam früh morgens nach Hause und ich genoss es in vollen Zügen. Es war eine sehr schöne Zeit für mich. Konnte sogar auf 600 Mark Basis einen Nebenjob bei meinem alten Arbeitgeber beginnen.

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