Persönlichkeit entwickeln

Geld und das Glück – Macht mehr Geld den Menschen glücklicher?

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Wie sich Geld und das Glück im Privatleben vertragen

Wie verträgt sich das Glück mit dem Geld auf der Ebene des Individuums? Was denken Sie, wie glücklich würden Sie sich fühlen, wenn Sie plötzlich einen zweistelligen Millionenbetrag im Lotto gewinnen würden? Vermutlich wären Sie so euphorisch wie noch nie zuvor oder nur selten in Ihrem Leben, beschwingt und leicht wie eine Feder, der Kopf plötzlich voll unendlicher Möglichkeiten, von denen Sie vorher nicht einmal zu träumen wagten. Diesen Zustand des Glücks dürfen Sie nun eine Weile lang genießen... etwa drei Monate lang um genau zu sein. So lange dauert es nämlich im Schnitt, bevor sich Lottogewinner, (aber erstaunlicherweise auch nach einem Unfall vom Hals anbwärts gelähmte Menschen) auf ihr vorheriges, subjektives, alltägliches Glücksniveau einpendeln.

Hedonistische Tretmühle

Dieser erstaunliche Fund hat den Begriff der „hedonistischen Tretmühle“ in der positiven Psychologie eingeführt. Man vergleicht das Streben nach Glück also im Prinzip mit einem Hamsterrad, in dem man sich was das eigene Glück angeht nie wirklich für lange Zeit vom Fleck bewegen kann, egal ob man mal schneller oder mal langsamer rennt (einem im Leben also Gutes oder Schlechtes zustößt). Das Glücksempfinden bewegt sich im Normalfall also nach einer Anfangszeit der Euphorie oder Traurigkeit wieder zurück zum vorherigen Zustand, welcher von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann und zu einem gewissen Anteil auch genetisch bedingt ist. Aus evolutionärer Sicht ergibt dies Sinn, denn positive Gefühle dienen an aller erster Stelle als Ansporn für Verhalten, damit ein Organismus Dinge tut, von denen er sich Positives erhofft. Nur an zweiter Stelle hat Glück überhaupt eine Belohnungsfunktion. Schon gar nicht hat das euphorische Glück die Funktion ein ständiger Lebensbegleiter zu sein, denn dies wäre evolutionär leider nicht adaptiv gewesen.

Geld macht glücklich - oder?

Die Einsicht, dass die Aufgabe von Dopamin an erster Stelle darin liegt, Handlungen anzuspornen, von denen sich der Mensch Positives erwartet, enthüllt ein kleines Problem mit der Forschung an Lottogewinnern, denn sie unterscheiden sich in einigen Schlüsselaspekten von vielen anderen reichen Menschen: Zum einen haben Lottogewinner ihr Geld nicht erarbeitet und tatsächlich zeigt sich im Labor, dass sowohl Ratten als auch Studenten weitaus zufriedener mit Belohnungen sind, wenn sie sich diese durch ihre eigenen Aktionen erarbeitet haben, selbst wenn diese „Arbeit“ für beide Säugetiere nur aus einem simplen Tastendruck besteht. Zweitens sind Lottogewinner auf einen Schlag reich geworden, während anderweitig reich gewordene sich meist langsamer an den steigenden Reichtum anpassen konnten (Stichwort: Hedonistische Tretmühle), oder bereits mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen sind und es gar nicht anders kennen.

Doch weshalb ist die Glückseuphorie des Lottogewinners dennoch so stark? Ein plausibler Erklärungsansatz ist, dass Geld in gewisser Weise einen Superstimulus darstellt. Nicht nur weil der Superstimulus Geld uns Dinge kauft, sondern vielmehr weil er uns Möglichkeiten im Geiste kauft. Die psychologischen Freuden vom reinen Geldbesitz umfassen dabei die (Vor-)Freude auf konkrete Gegenstände oder Dienstleistungen die man sich damit kaufen will. Zusätzlich hierzu produziert Geldbesitz ein emotionales Hoch durch den damit einhergehenden (tatsächlichen oder imaginären) sozialen Statusgewinn. Und nicht zuletzt kann mehr Geld auch eine massive Entlastung gegenüber vielen Alltagsproblemen des Lebens bedeuten, die oft verschwinden wenn man nur genug Geld nach ihnen wirft, oder sie einfach an jemanden delegiert.

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