Warum sich Neugierde lohnt
Sie fragen sich nun vielleicht: Was hat es denn nun für Vorteile neugierig zu sein? Sie sind definitiv toleranter Ihrer Umwelt gegenüber. Stereotype verhindern Offenheit. Doch mit ein wenig Neugierde auf das Fremde (in der Persönlichkeitspsychologie wird das übrigens als Offenheit für Erfahrungen bezeichnet) können Sie Neues kennenlernen und viele Erfahrungen machen, die Sie gar nicht erwartet hätten. Sie entwickeln dadurch neue Ideen und können die Welt jeden Tag auf eine andere Weise entdecken. Ihre Achtsamkeit wird geschärft und man entwickelt sogar Glücksgefühle. Die Forschung von Kashdan hat ergeben, dass Neugierige auch aktiver sind. Sie suchen aktiv nach Situationen, in denen Sie ihre Fähigkeiten und Potentiale erweitern können.
Auch die Spontanität wird durch die Neugierde gefördert. Sie gehen vielleicht eher auf andere zu und entwickeln so ein unvorhergesehenes Gespräch. Laut einer Studie des Psychologen Kashdan stellen Neugierige tiefergehende Fragen als andere das tun würden, sie wirken interessierter und es ergibt sich ganz neuer Gesprächsstoff neben dem einfachen Small Talk.
Nach einer Untersuchung von Sophie von Stumm lernen Neugierige besser. Wie bereits angedeutet, wird man achtsamer durch Neugierde und so wird man auch aufmerksamer für das zu Lernende. Dabei scheint es egal, ob Neugierige generell aufmerksam sind und im Zug anderen Gesprächen lauschen oder ob sie bei der Vorlesung genau zuhören, was der Dozent sagt. Sie nehmen schlicht und einfach mehr Informationen auf als andere das tun.
Vielleicht dachten Sie ja schon eine ganze Zeit lang: Ich bin zu schüchtern, ich lernen niemanden kennen, ich möchte mal aus mir herauskommen. Vielleicht hilft Ihnen Ihre verlorengeglaubte Neugierde dabei? Bewegen Sie sich mal aus der Komfortzone heraus, vielleicht wartet ein Abenteuer auch schon um die Ecke, auch wenn es nur das Probieren eines neuen Weges zum Einkaufen ist. Oder um es ganz nach den Worten von Nietzsche zu sagen: "Die Glücklichen sind neugierig." Wahrscheinlich weil sie neue Wege gegangen sind.
Autorin: Sylvia Kraus (Impulsdialog)
Quellen:
Berlyne, D. E. (1960). Konflikt, Erregung, Neugier. Zur Psychologie der kognitiven Motivation. Stuttgart: Klett.
Euler, H. A. & Mandl, H. (1983). Emotionspsychologie: Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen. München: Urban.
Gielas, A. (2015). Den Neugierigen gehört die Welt: 6 Gründe, die eigene Wissbegierde zu pflegen. Psychologie Heute (5).
Kashdan, T. B., McKnight, P. E., Fincham, F. D., & Rose, P. (2011). When curiosity breeds intimacy: Taking advantage of intimacy opportunities and transforming boring conversations. Journal of personality, 79(6), 1369-1402.
Von Stumm, S., Hell, B., & Chamorro-Premuzic, T. (2011). The hungry mind intellectual curiosity is the third pillar of academic performance. Perspectives on Psychological Science, 6(6), 574-588.
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