Selbstbewusstsein stärken

Agoraphobie – die Angst vor Kontrollverlust

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Auf einen Blick:

1. Seite: Überblick Agoraphobie

2. Seite: Symptome

3. Seite: Entstehung und Behandlung

4. Seite: Zusammenfassung

 

Seite 3 - Entstehung und Behandlung

Ursachen und Entstehung

Es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung der Agoraphobie. Ein mögliches Erklärungsmodell, welches leicht zu übermitteln ist, ist dabei die 2-Faktoren-Theorie (Mowrer, 1960). Diese hat einen lerntheoretischen Hintergrund und geht davon aus, dass die Angstreaktion lediglich erlerntes Verhalten durch Konditionierung darstellt. Somit kann dieses auch wieder verlernt oder durch neu Gelerntes ersetzt werden:

1. Klassische Konditionierung
Ein ursprünglich neutraler Reiz wird aufgrund von traumatischen Erlebnissen (oder auch spontanem Auftreten eines Panikanfalls) mit einem Angstzustand assoziiert.

2. Operante Konditionierung
Diese (gelernte) Angstreaktion wird nun durch das Vermeiden jener Situationen umso mehr verstärkt. In der Psychologie auch bekannt unter negativer Verstärkung.

Die Vermeidung bewirkt somit ein Gefühl der Erleichterung, da eine befürchtete negative Konsequenz verhindert wird. Dadurch ist es den Betroffenen nicht möglich das Verhalten wieder anzupassen und umzulernen. Sie generalisieren von einer Erfahrung auf alle ähnlichen Situationen, wodurch es ihnen verwehrt ist eine neutrale oder positive Erfahrung mit jener Gegebenheit zu verknüpfen

 

 

Behandlung

"… man wird kaum einer Phobie Herr, wenn man abwartet, bis sich der Kranke

durch die Analyse bewegen läßt, sie aufzugeben."

Freud, 1917


Oppenheim empfahl 1911 im Lehrbuch der Nervenkrankheiten: "mit den agoraphobischen Patienten die gefürchteten Plätze zu überqueren". Das Grundprinzip der Behandlung ist die Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen. Dieses Konzept baut auf dem Prinzip der Habituation (= Gewöhnung) auf. Dabei geht man davon aus, dass bei wiederholter Präsentation eines identischen Reizes – in diesem Fall eines angstauslösenden Reizes – die Reaktion auf diesen abklingt. Dadurch verringert sich nicht nur die Reaktionen auf den Reiz, die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens wird geringer und die Zeit zwischen Reiz und Reaktion verlängert sich zunehmend.

Eine andere Theorie besagt, dass die Behandlung das Selbstkonzept des Phobikers verbessert. Die Patienten erwerben in diesem Fall eine größere Selbstsicherheit, und haben zunehmend das Gefühl auch in Zukunft ähnliche Situationen bewältigen zu können. Dadurch steigt die eigene Erwartung, gewünschte Handlungen aufgrund eigener Kompetenzen selbst ausführen zu können (Selbstwirksamkeit) und steht den Betroffenen in weiteren Situationen als Ressource zur Verfügung. Die Wirksamkeit der Konfrontationsbehandlung ist in zahlreichen Studien belegt worden.

Es gibt verschiedene Arten der Gestaltung der Konfrontationstherapie. Der Therapeut entscheidet sich letztlich gemeinsam mit dem Patienten und je nach Diagnose(-grad) für ein für den jeweiligen Patienten individuelles Behandlungskonzept. Beispielsweise kann die Konfrontationstherapie in vivo (direkter, realer Konfrontation mit dem angstauslösendem Reiz) geschehen oder in sensu (Konfrontation in der Vorstellung) durchgeführt werden. Des Weiteren ist abzuschätzen, ob die Maßnahme graduell (in Abstufung) oder auf einmal realisiert werden soll.

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