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Wie aus einer ADHS eine Glutenunverträglichkeit wurde

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Nach 14 Tagen rief mich die Mutter völlig fassungslos an und erzählte mir, dass die Lehrerin sie zu einem Gespräch gebeten habe. Ihr wurde schon ganz mulmig, da diese Gespräche ja bis dahin nichts Gutes verhießen. Doch diesmal empfing die Lehrerin die Mutter mit einem Lachen im Gesicht und frage sie, seit wann denn Phillip Medikamente nehmen würde. Er wäre wie ausgewechselt im Unterricht! Er störe nicht mehr und wäre aufmerksam. Selbst mit den anderen Kindern gäbe es keine Streitereien mehr und in der Pause hätte Phillip heute sogar „friedlich“ mit einem anderen Kind gespielt.


Nachdem die Mutter der Lehrerin mitteilte, dass Phillip gar keine Medikamente bekam, wurde die Mimik der Lehrerin ernst und sehr steif. Die Mutter klärte darüber auf, das lediglich eine Nahrungsumstellung statt gefunden habe und dies nicht im Entferntesten mit Medikamenten zu tun habe.
Nach den vereinbarten vier Wochen kamen die Eltern und Phillip wieder zum verabredeten Termin. Wir konnten in den nächsten Monaten Phillips Ernährung noch weiter optimieren, indem wir noch weitere Lebensmittel vom Speiseplan strichen und andere wieder einführten. Phillip wiederholte die Klasse nicht, sondern wurde versetzt. Zur Ergotherapie geht er weiterhin, da ihm die Erfahrungen dort einfach gut tun. Zum Psychotherapeuten geht er aber aktuell nicht mehr.


Phillip ist viel ruhiger und konzentrierter und deutlich weniger aggressiv oder aufbrausend. Er kommt mittlerweile mit seinen Klassenkammeraden klar und der Haussegen hängt auch nicht mehr schief. Phillip wurde durch die Ernährungsumstellung kein „Wunderknabe“ und heckt auch gerne weiterhin den ein oder anderen Streich aus. Aber Phillip und seine Familie führen nun ein ruhigeres und harmonischeres Leben ohne ständige Besuche in der Schule und Drohungen seitens der Schulleitung.

Corinna Wietelmann
www.gesundheitsberatung-stormarn.com

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Ein Kommentar

Phillip könnte auch unser Kind sein. Vieles von dem was im Artikel beschrieben wurde, kenne ich nur zu gut. Unserem Sohn (10 Jahre alt) hat zwar kein Arzt ADHS diagnostiziert und es gab bei uns keine Diskussion um Medikamente, aber die soziale Belastung für unsere Familie war aufgrund der Verhaltensauffälligkeiten unseres Kindes sehr hoch. Unser Sohn wird daher auch in der Schule besonders gefördert. Wir begegnen vielen Menschen, die uns unterstützen, aber auch vielen, die das Verhalten des Kindes nicht verstehen.
Letztendlich war der Leidensdruck unseres Kind riesig. Er merkte selber, dass er anders war, dass er sich oft nicht steuern konnte, dass er sehr häufig unvermittelt aufsprang oder weinte, wo andere Kinder gelassen waren. Das Selbstvertrauen sank dadurch und die Angst vor neuem "Fehlverhalten" stieg. So suchten wir nach Lösungen.
Unser Sohn war (im Alter zwischen 6 und 8) bei einem Kinderpsychologen, was ihn bereicherte, doch ihm grundsätzlich nicht half. Er geht seit über einem Jahr zur Ergotherapie und erhält eine Neurofeedback-Therapie, was auch Besserung in seiner Selbstwahrnehmung und Entspannungsfähigkeit brachte, doch die Impulskontroll- und Sprachstörung nicht beseitigen konnte.
Ab dem Tag an dem ich die Broschüre von Dr. Harald Blomberg: "Glutenbedingte Störungen bei Kindern und Erwachsenen" gelesen hatte, gab es bei uns zu Hause keine Lebensmittel mit Gluten mehr. Dr. Blomberg beschreibt, dass Gluten ursächlich für Entzündungen im Gehirn sein kann. Zum selben Zeitpunkt fand ich diesen Artikel im Internet und holte mir weitere Anregungen (z.B. weiterhin Lebensmittel testen) und Bestätigung für die Ernährungsumstellung.
Nun ernähren wir uns seit drei Monaten glutenfrei, minimierten Laktose und es gibt höchsten einmal in der Woche Süßigkeiten (und das liegt an mir ;)).
Ich würde es wahrscheinlich nicht glauben, wenn ich es selbst erleben würde. Aber unser Sohn entwickelt sich wie Phillip. Entscheidend ist, dass er es selbst merkt und sehr froh darüber ist. Er spürt, dass er mit der Zeit stetig ruhiger und entspannter wird.
Unser Sohn hat schon immer alles gern gegessen und findet es überhaupt nicht schlimm, glutenfrei zu essen. Für uns ist es schon eine Umstellung. Aber wir haben sowieso abends immer gekocht und da muss jetzt eben nur genauer geplant werden. Die übriggebliebene Portion bekommt meine Sohn am nächsten Tag mit in die Schule. Es ist insgesamt auch nicht teuer, sich glutenfrei zu ernähren, wenn man sich gut informiert. Das kostet halt Zeit. Doch das nehmen wir liebendgern in kauf.
Die Neurofeedback-Therapie nimmt unser Kind weiterhin wahr, da hier auch noch viel passiert und das Ergebnis messbar ist. Weiterhin hat er sehr eingeschränkten und zeitlich festgelegten Zugang zu Medien und Computerspielen.

Wir freuen uns sehr, dass es unserem Kind immer besser geht. Unsere Lebensqualität ist in sämtlichen Lebensbereichen gestiegen. Wir können nun ganz anders Veranstaltungen, Ausflüge und Urlaube planen. Unser Sohn spricht jetzt besser und kann daher konkreter seine Nöte, Sorgen und Wünsche äußern. Er wird wie Phillip nie ein "Wunderknabe" werden, aber es geht ihm wesentlich besser und er ist dankbar, was er uns gelegentlich zeigt.

Ich wünsche mir, dass bei Verhaltensauffälligkeiten von Kindern (und auch Erwachsenen) durch Ärzte und Therapeuten regelmäßig geprüft wird, ob Gluten-, Laktose oder andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorliegen.
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Antje

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