Selbstbewusstsein stärken

Abhängigkeit - Wenn die Gewohnheit zur Sucht wird

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Auf einen Blick:

1. Seite: Psychische und physiologische Abhängigkeit

2. Seite: Suchtstatistiken

3. Seite: Phänomene der Abhängigkeit

4. Seite: Zusammenfassung

Seite 3 - Phänomene der Abhängigkeit

Bemerkenswerte Phänomene bei Abhängigkeiten – Einfluss von Lernen

Interessanter- und gefährlicherweise wird die sich im Laufe des Konsums entwickelnde Wirkstofftoleranz durch Lernen beeinflusst. Der menschliche Organismus neigt ganz allgemein dazu, jegliche Umweltreize als potentielle Informationsquellen zu verarbeiten und mit dem aktuellen Erleben in Verbindung zu bringen. Bei herausragendem Erleben, wie zum Beispiel sehr positivem Erleben während des Drogenkonsums, wird diese Erfahrung im Gedächtnis mit den sie begleitenden Umweltfaktoren besonders stark verknüpft.

Der Organismus merkt sich also in welcher Umgebung er diese Erfahrung gemacht hat, sprich er lernt, welche Umweltmerkmale die Erfahrung begleitet haben. Dies beeinflusst wie er im Folgenden auf diese Umweltreize bzw. das Erleben unter Einfluss entsprechender Umweltreize reagiert. Wir möchten in diesem Zusammenhang auf zwei Phänomene hinweisen.

Unter konditionierte Wirkstofftoleranz versteht man das Phänomen, dass die Substanzwirkung aufgrund gegenläufiger Effekte der Toleranz, welche durch die Hinweiskraft entsprechender Umweltmerkmale ausgelöst werden, reduziert ist. Es gilt, dass die Toleranzentwicklung einer Droge, umso größer ist, je regelmäßiger sie in derselben Umgebung eingenommen wurde. Es werden also offensichtlich physiologische Effekte (der Wirkstofftoleranz) auf Umgebungsreize konditioniert.

Dies meint nun, dass beispielsweise ein Drogenabhängiger durch regelmäßigen Konsum, z. B. in seiner Wohnung, seinen Körper daran gewöhnt, in dieser Umgebung der Droge ausgesetzt zu sein. Sein Körper entwickelt daraufhin eine an die Umgebung gekoppelte Toleranz. Der Abhängige verträgt in seiner Wohnung also mehr Stoff, als anderswo. Damit wird auch das Gefährdungspotential dieses Effekts deutlich: Konsumiert er nun in einer anderen Umgebung, wie z. B. im Park, weist sein Körper eine geringere Wirkstofftoleranz auf. Dies kann deshalb schnell, selbst bei der gewohnten Menge Stoff, lebensbedrohliche Intoxikationen zur Folge haben.

Unter konditionierten Entzugserscheinungen versteht man das Phänomen, dass inzwischen drogenfreie Süchtige, die in ihre vertraute Drogenumgebung zurückkehren, plötzlich massive Entzugserscheinungen erleben können. Weil ihr Körper gelernt hat, dass in dieser Umgebung oft die Droge konsumiert wurde, erwartet er nun erneuten Konsum und steuert mit physiologischen Prozessen der erwarteten Drogenwirkung entgegen. Die Betroffenen erfahren plötzlich ungewohnterweise Entzugserscheinungen.

Dies ist vor allem problematisch für Menschen, die durch einen längeren stationären Aufenthalt von ihrer Abhängigkeit frei werden konnten. Die Konfrontation mit der von damals vertrauten Umgebung stellt dann eine große Herausforderung dar, weshalb es für die Betroffenen oft leichter ist, sich nach Möglichkeit von solchen Orten (explizit besonderen Orten der Drogeneinnahme) fernzuhalten.

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