Bei Menschen mit chronischen Schmerzen, Depressionen und Stress ist eine Wirkung von achtsamkeitsbasierten Übungen gut belegt. Menschen mit chronischen Schmerzen können mithilfe einer nicht-wertenden Wahrnehmung lernen, ihr Leiden besser zu bewältigen: selbst wenn die Schmerzen nicht weniger werden, quälen sie die Patienten weniger. Mit Hinblick auf Depressionen wird Achtsamkeit auch erfolgreich in die Psychotherapie eingebettet. Diese therapeutische Form hat sich als achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (mindfulness-based cognitive therapy) etabliert, welche Aspekte der kognitiven Verhaltenstherapie und Ansätze der achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung kombiniert. Diese Therapieform kommt vor allem bei der Rückfallprävention von Depressionen zur Anwendung. Auch Menschen, die besonders selbstkritisch sind, können durch eine nicht-wertende, wohlwollende Wahrnehmung ihrer selbst lernen, weniger negative und kritisierende Denkmuster in Gang zu setzen. Nicht zuletzt können auch etwa bei posttraumatischen Belastungsstörungen oder ADHS Achtsamkeitsübungen zu einer besseren Bewältigung der Symptome beitragen.
Wie kann man Achtsamkeit lernen?
Achtsamkeit als Meditationsform an sich entstammt der buddhistischen Lehre, wobei heutige Formen jedoch meist frei von religiösen Aspekten sind. Achtsamkeit, wie wir sie heute kennen, wurde vor allem von Jon Kabat-Zinn etabliert. Er entwickelte Ende der 70er Jahre ein Programm zur achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung (Mindfulness-based Stress Reduction), das aus einem achtwöchigen Kurs mit Yoga-, Aufmerksamkeits- sowie Achtsamkeitsübungen besteht. Wer einen einfachen Einstieg ins Thema sucht, kann sich mithilfe von Youtube-Videos oder auch Apps an das Thema herantasten. Diese beiden Formen ersetzen allerdings kein langfristig angelegtes, angeleitetes Erlernen von Achtsamkeitstechniken. Wer der Ansicht ist, langfrisitg von Achtsamkeit als Bewältigungsstrategie für Stress und andere Alltagsprobleme profitieren zu können, wendet sich daher an zertifizierte Trainer und Institutionen. Aufgrund der aufkommenden Popularität von Achtsamkeit lohnt es sich, sich Zeit für eine genauere Recherche hinsichtlich der Qualität der Angebote zu nehmen. Es ist ausgesprochen wichtig, dass die Kursleiter selbst viel Erfahrung in der Anwendung von Achtsamkeitsübungen mitbringen, um so den Teilnehmern die richtige Hilfestellung zu bieten.
Die meisten Kurse finden über mehrere Wochen hinweg in Gruppen statt. Neben den eigentlichen Achtsamkeitsübungen gehen oft Atemübungen und sanfte Yoga-Übungen oder eine „Körperwanderung“ mit in die Kurse ein, um das Spüren des eigenen Körpers im gegenwärtigen Moment zu fördern, um erst im Anschluss daran zum selben Umgang mit Gedanken und Emotionen überzugehen. Ein Austausch in der Gruppe ist auf lange Sicht besonders wichtig, da einem hier gezeigt wird, dass man mit seinen Startschwierigkeiten und eventuellen Frustrationen nicht alleine ist. Wöchentliche Sitzungen und darüber hinaus Übungen im Alltag sollten für den Teilnehmer zeitlich machbar sein, womit die Kurse also auch einen gewissen Einsatz der Teilnehmer erfordern, der sich später jedoch mehr als nur lohnt.
Wichtig ist: Üben, Üben, Üben. Und sich nicht entmutigen lassen. Es muss nicht von Anfang an klappen. Man findet langsam heraus, was geht und was nicht. Man verfolgt kein allzu ehrgeiziges Ziel und ist aufgeschlossen für alle möglichen Erfahrungen. Wenn man sich immer mehr mit den Übungen vertraut macht und anfängliche Herausforderungen überwunden sind, ist schon ein großes Stück geschafft. Und man merkt Schritt für Schritt Verbesserungen, indem sich der bewusste Umgang mit unserer Aufmerksamkeit im Alltag bemerkbar macht, man den Menschen und Aufgaben im Leben präsenter begegnet und einen Beitrag leistet, die eigene psychische Gesundheit zu stärken und die Lebensqualität zu verbessern.
Autor: Marlene Heinzle (Impulsdialog)
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