Persönlichkeit entwickeln

Persönlichkeitsstörung Teil 8: Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung

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Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, selbst sozial unbeholfen, unattraktiv und minderwertig zu sein sowie eine ausgeprägte Sorge, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden. In der deutschen Fassung des DSM-IV-TR wurde die im anglosächsischen Raum gebräuchliche Bezeichnung „avoidant personality disorder“ mit vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung übersetzt, womit das zwischenmenschliche Angst- und Insuffizienzerleben der Betroffenen besonders betont wird (Wittchen, 2011).

Auf einen Blick:

1. Seite: Überblick Ängstlich-Vermeidende Persönlichkeitsstörung

2. Seite: Diagnosekriterien

3. Seite: Ätiologie

4. Seite: Abgrenzung

5. Seite: Komorbidität und Therapie

6. Seite: Zusammenfassung

 

Seite 1 - Überblick Ängstlich-Vermeidende Persönlichkeitsstörung

 

Die ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung ist im ICD-10 unter dem Punkt F60.6 klassifiziert und wurde relativ neu aufgenommen. Synonym kann ebenfalls die selbstunsichere Persönlichkeitsstörung verstanden werden. Das Krankheitsbild gibt es zwar schon seit Menschengedenken, aber nicht immer wurde es auch als krankhaft erkannt und vor allem anerkannt. Erst seit circa 8 Jahrzehnten wird dieser Bereich der Persönlichkeitsstörungen wissenschaftlich erforscht und beschrieben. Die Prävalenz liegt bei etwa einem Prozent. Betroffene erleben ständig Gefühle der Anspannung und Besorgtheit, können ihre Gedanken nur schwer von ihren ängstlichen Gedanken abbringen und sind fest davon überzeugt im Vergleich zu anderen minderwertig zu sein. Sie verhalten sich unsicher und gehemmt, meiden aufgrund von Angst vor Ablehnung, Zurückweisung, Missbilligung und Kritik soziale Interaktionen und ziehen sich folglich zurück. Soziale Kontakte werden in der Regel nur aufgebaut, wenn der Betroffene sich der Sympathie und des Angenommenseins durch den anderen sicher ist. Selbst in engen Beziehungen fällt es schwer, für sich selbst zu sprechen und intimere Gefühle zu zeigen aus Angst, dass man sich über sie lustig machen könnte oder sie in Verlegenheit bringt. Sie sehen sich in sozialen Interaktionen quasi ununterbrochen durch die Augen des anderen und versuchen ständig herauszufinden, was die anderen negatives denken über sie könnten. Dadurch halten sie sich meist schweigsam zurück, wenn sie neue Leute kennen lernen und nehmen ungern persönliche Risiken in Kauf. Selbst neutrale Verhaltensweisen können fehlinterpretiert werden. Zudem reagieren sie meist überempfindlich gegenüber Ablehnung und Kritik und wirken in diesem Punkt besonders emotional. Sie sind der Überzeugung ihrem Schicksal hilflos ausgeliefert zu sein und wegen ihres Verhaltens, Aussehens und Charakters oft, sowohl offen als auch versteckt, zum Spott der Anderen zu werden. Aufgrund dieser Denkweise und Einstellung treten häufig auch Scham- und Panikgefühle auf, die sie davon abhalten ihre Meinung offen zu legen und auch mal „Nein“ zu sagen. Dadurch gelten sie, entgegen ihrer Erwartungen, für ihr näheres Umfeld meist als angenehm, pflegeleicht und problemlos.

 

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