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Krankheit und Unfälle verarbeiten – wie erlange ich mein emotionales Gleichgewicht wieder?

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Frankl ist davon überzeugt, dass auch im Leiden noch eine Sinnmöglichkeit liegt. Der „Wille zum Sinn“ sei dabei sehr wichtig für das Menschsein. Es geht ihm dabei nicht um das Ertragen von Dingen, die zu ändern sind. Frankl sieht eine Ressource darin, dass ein Mensch im Falle starker äußerer Einschränkungen, z.B. Trauer, Gefängnis oder eben schwerer Erkrankung, immer noch eine bestimmte Haltung gegenüber seinem Schicksal einnehmen könne. Dadurch könne ein Mensch „eine ausweglose Situation menschlich gesehen noch in eine Leistung verwandeln“. Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn im Leben – und dies ist Frankl besonders wichtig – kann immer nur eine konkrete Antwort dieser Person in ihrer jetzigen Situation sein (Frankl 1997).

Daraus folgt: Die Interpretation des Sinns einer Erkrankung oder Leidens kann nur die betreffende Person selbst finden. Sie kann und darf ihr nicht durch andere auferlegt werden. Sinn ist immer individuell und abhängig von der aktuellen Situation, den Werten, die eine Person verwirklichen möchte und den Zielen, die eine Person in ihrem Leben verfolgt. Ein Sinn oder eine Bedeutsamkeit können helfen, eine Handlungsrichtung zu geben. Eine Bedeutung im Leben zu finden, gibt dem Leben Wert und Grund. Sie kann einen Antrieb darstellen, sich emotional zu engagieren, sich einer Sache hinzugeben und neue Ziele für sich zu finden (Frankl 1997).

Die Frage nach Sinn und Bedeutung einer Erkrankung kann dabei natürlich schwierig sein. Eine rein medizinische Erklärung ist dabei meist nicht zufriedenstellend. Dazu ein Zitat von Treya Wilber, die ihre Problematik in folgende Worte fasst:

„So etwas wie einen vorherbestimmten Sinn meiner Krebserkrankung gab es letztlich wohl wirklich nicht, aber die schulmedizinische Deutung, die nichts als eine Zufallskombination verschiedener materieller Faktoren hinter einer solchen Erkrankung sieht, befriedigte mich erst recht nicht. Das mag auf einer Ebene eine angemessene und zutreffende Deutung sein, aber für mich griff sie zu kurz. Ich wollte – und brauchte – einen Sinn und Zweck dieser Erfahrung. Und das konnte für mich nur dadurch geschehen, dass ich so tat, als hätte sie diesen Sinn, indem ich sie durch mein Denken und Handeln mit diesem Sinn erfüllte.“

(Wilber, K. Mut und Gnade. In einer Krankheit zum Tode bewährt sich eine große Liebe – das Leben und Sterben der Treya Wilber. Scherz; Bern 1992). Das Buch von ihr und ihrem Mann über den Umgang mit ihrer Krebserkrankung ist sehr zu empfehlen.

Weiterführende Links:
Lernmappe: Ängste verstehen und besiegen
E-Learning: Angstbewältigung
Artikel: Problemlösetraining - Eine systematische Strategie
Artikel: Emotionen beschreiben - Was ist das eigentlich für ein Gefühl?

Foto: Uwe Leder

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