Berufsalltag managen

B wie Belastung – B wie Burnout

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Ausgebrannt – ein Wort, was in der heutigen Zeit nicht mehr nur für Kerzen verwendet wird. Im letzten Jahrzehnt hat das Thema Burnout zunehmend an Bedeutung und leider auch an Betroffenen gewonnen, was nicht zuletzt an den gestiegenen Berufsanforderungen in unserer schnelllebigen, technisierten Gesellschaft liegt. Doch was ist Burnout? Was steckt eigentlich hinter diesem heutzutage recht inflationär verwendeten Begriff? Welche sind die typischen Burnout Symptome? Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Entstehung, dem Verlauf und der Therapie einer psychischen Krankheit vielbeschäftigter Menschen.

Auf einen Blick:

1. Seite: Burnout - Begriff und Anzeichen

2. Seite: Behandlung, Therapie

 

Seite 1 - Was ist Burnout?

Der Begriff Burnout wurde 1974 erstmals wissenschaftlich von Herbert Freudenberger geprägt. In grundlegenden Arbeiten aus den 70er Jahren wird das Burnout Syndrom als Reaktion auf chronische Stressoren im Beruf beschrieben. Die Zunahme von der Häufigkeit und Relevanz stressbedingter Berufserkrankungen führte 1994 zu einer Neuorientierung innerhalb der psychologischen Fachdisziplinen der Arbeits- und Organisationspsychologie, Klinischen Psychologie und Gesundheitspsychologie: Die Occupational Health Psychology (OHP, betriebliche Gesundheitspsychologie) entstand. Als Grenzdisziplin der genannten Fachbereiche beschäftigt sie sich mit psychologischen Maßnahmen, die darauf abzielen, die Gesundheit, die Sicherheit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer zu schützen und zu entwickeln. Die Grundannahme der OHP ist dabei ein starker Zusammenhang zwischen der Qualität des Arbeitslebens und dem persönlichen Wohlbefinden.

Als besonders betroffen von Burnout gelten Arbeitnehmer, die mit Menschen (als Klienten) in emotional belastenden Situationen arbeiten. Daher ist eine erhöhte Inzidenz für Burnout in Berufen im Bereich der Lehrtätigkeit, der Pflegetätigkeit, unter Psychotherapeuten und im Management-Sektor zu verzeichnen. Als Haupt-Risikofaktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltung des Burnout Syndroms wurden arbeitsbezogener Stress bzw. Fehlbelastungen bzgl. der sozialen und betrieblichen Lebens- und Arbeitsverhältnisse nachgewiesen. Diese sind beispielsweise zu komplexe oder zu umfassende Aufgaben, Zeitdruck, Überforderung, Konflikte mit Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden, ungerechte Behandlung durch Vorgesetzte und Kollegen, soziale Isolation, sozialer Ausschluss oder Mobbing.

Was sind typische Anzeichen für Burnout?

Nach Maslach und Jackson (1981) äußern sich Burnout Symptome auf drei Dimensionen: Betroffene verspüren eine überwältigende emotionale und physische Erschöpfung, Zynismus und Distanziertheit gegenüber beruflichen Aufgaben und ein Gefühl der Wirkungslosigkeit und der verminderten Leistungsfähigkeit – kurzum: man fühlt sich ausgebrannt. Jede dieser drei Dimensionen muss zutreffen, damit Burnout diagnostiziert werden kann. Diese Selbstbewertungen haben einen negativen Einfluss auf das eigene Selbstwertgefühl, was sich in soziale Interaktionen transportiert. Das heißt: Fühle ich mich schlecht, strahle ich dies auch gegenüber meinen Mitmenschen aus. Dieser Prozess verstärkt und stabilisiert sich wie eine Art „Teufelskreis“ immer wieder selbst, sodass die Betroffenen in einem Kreislauf aus Frustration und sozialer Isolation zunehmend den Mut verlieren.

Darunter leiden neben Beziehungen im Arbeitsumfeld auch private Beziehungsgeflechte in Freundeskreisen und der Familie. Vom Burnout Syndrom Betroffene vermeiden zusehends jeden außerfamiliären Kontakt und vernachlässigen frühere Hobbys und Freizeitaktivitäten. Auch ihren Arbeitsanforderungen werden sie nicht mehr gerecht.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Burnout lässt jeden Lebensbereich erfolglos erscheinen und erschwert den Betroffenen eine optimistische Sichtweise in ihre Zukunft.Auch bisher erzielte Erfolge und Leistungen werden rückblickend abgewertet, teils sogar als Hürde oder Erschwernis des Lebens interpretiert. Diese Hoffnungslosigkeit bzgl. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist ein zentraler Baustein im kognitiven Erklärungsmodell für Depressionen nach Aaron T. Beck und wird auch als kognitive Triade bezeichnet. Moment mal… Depressionen? Ja, Burnout ist die aktuellste Ausprägung der Depression. Die Symptome beider psychischer Krankheiten sind nahezu identisch, sodass Wissenschaftler davon ausgehen, dass sie sich in nichts voneinander unterscheiden. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO und die amerikanische psychiatrische Gesellschaft APA klassifizieren das Burnout Syndrom und Depressionen gleichermaßen. Eine Trennung von beidem existiert nur auf gesellschaftlicher Ebene: Betroffene haben bei der Diagnose von Burnout weniger gesellschaftliche Nachteile als bei der Diagnose von Depressionen, da Burnout mit einer selbst auferlegten Überforderung durch besonders große Leistungen in Verbindung gebracht wird. Damit zeigen die Betroffenen also eine normative und in unserer Leistungsgesellschaft löbliche Verhaltensweise. Diese berufsbezogene Überforderungserklärung für Burnout "entschuldigt" quasi die psychische Krankheit und entlastet Betroffene vom gesellschaftlichen Druck.

 

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