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Achtsamkeit im Alltag – auf dem Weg zur Entschleunigung

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Obwohl Achtsamkeit in den Medien sehr präsent ist, bleiben viele Fragen unbeantwortet. Was ist Achtsamkeit? Wie und wobei können Achtsamkeitsübungen helfen? Um Ihnen einen leichten und schnellen Überblick zu ermöglichen, hat Impulsdialog für Sie die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Auf einen Blick:

1. Seite: Was ist Achtsamkeit?

2. Seite: Wie hilft Achtsamkeit?

3. Seite: Techniken

4. Seite: Zusammenfassung

 

Seite 1 - Was ist Achtsamkeit?

Ein entspannter Nachmittag nach der Arbeit kann sehr schön sein, doch oft kreisen unsere Gedanken auch in unserer Freizeit um die unerledigten Aufgaben im Büro. Liegengebliebene Überweisungen, ausstehende Telefonaten oder Aufgaben im eigenen Haushalt drängen sich immer wieder in die Gedanken. Viele Menschen hetzen von einer Aufgabe zur nächsten und schaffen es selten, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Deswegen empfinden immer mehr Menschen in ihrem Alltag Stress und kämpfen mit Folgen wie Erschöpfung oder gar Burnout.

Welche Möglichkeiten gibt es nun, um Entschleunigung in den sonst so vollen Alltag zu bringen?

Einfache Achtsamkeitsübungen beispielsweise können mit wenig Aufwand in den Alltag integriert werden und so zu einer Entschleunigung des Lebens beitragen. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass Stress besser bewältigt werden kann. Zudem kann Achtsamkeit psychosomatischen Beschwerden vorbeugen. Wichtig ist dabei, dass sich die Gedanken auf das Hier und Jetzt konzentrieren und Situationen wohlwollend ohne eine Bewertung wahrgenommen werden.

Was ist Achtsamkeit?

Beim Thema Achtsamkeit fokussiert sich die Psychologie auf die Wahrnehmung, das Bewusstsein und falls notwendig auf dessen Veränderung. Im Jahr 2004 wurde in einer psychologischen Konferenz folgende Definition für Achtsamkeit vorgeschlagen: „Achtsamkeit zielt darauf ab, persönliche Fähigkeiten zu verbessern und die Aufmerksamkeit auf das reine Erleben des gegenwärtigen Moments zu richten. Zusätzlich gilt es eine Haltung zu entwickeln, die von wohlwollender Toleranz gegenüber sich selbst geprägt ist und alltägliche Dinge so annimmt, wie sie sind.“

Um diese Fähigkeiten zu üben, wird die Aufmerksamkeit auf eine einzige sensorische Wahrnehmung gerichtet, beispielsweise auf den Atem. Bereits diese Aufgabe bedarf Übung, denn aufkommende Gedanken, Emotionen oder Körperwahrnehmungen können den Wahrnehmungsprozess unterbrechen. Von besonderer Bedeutung ist dabei, diese Aufgabe ohne Bewertung zu absolvieren, um sich erneut der Beobachtung der Sinneswahrnehmung zuzuwenden.

Woher kommt Achtsamkeit?

Als Gegenbewegung zur immer schnelleren und hektischeren Welt, sind Themen wie Yoga, Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen in aller Munde. Sie verfolgen das gemeinsame Ziel, den stressigen Alltag zu entschleunigen und mithilfe von Meditation in eine tiefe Entspannung zu gelangen. Dabei haben die Wurzeln der Achtsamkeitsmeditation eine lange geschichtliche Tradition. Sie reichen bis ins Jahr 583 - 463 v. Chr. zurück. Für Siddharta Gautama, Begründer des Buddhismus, war das Thema Achtsamkeit ein zentraler Bestandteil der buddhistischen Lehre.

Im Buddhismus wurden „vier Grundlagen der Achtsamkeit“ gelehrt:

  1. Achtsamkeit auf den ganzen Körper
  2. Achtsamkeit auf die Gefühle / Empfindungen
  3. Achtsamkeit auf den Geist
  4. Achtsamkeit auf Geistesobjekte

Bei allen vier Punkten ist es wichtig, dass die Aufmerksamkeit auf die eigene Wahrnehmung gerichtet ist. Dabei ist die besondere Herausforderung, dass die Gefühle ohne Bewertung wahrgenommen werden. In diesem Zusammenhang gilt es, die Aufmerksamkeit auf den Geist zu lenken und dessen aktuellen Zustand bzw. dessen Veränderungen wahrzunehmen. Bei der Durchführung von Achtsamkeitstrainings bedient sich die westliche Medizin und Psychologie am traditionellen Wissen des Buddhismus. Mithilfe von Achtsamkeitsübungen wird gelehrt, besser mit Stress und Leid umzugehen und eine wohlwollende Haltung von Toleranz und Geduld zu vermitteln. Somit wird Achtsamkeit aus dem ethischen und religiösen Kontext herausgelöst und als Erweiterung der pathologischen Behandlung eingesetzt.

Kurzgeschichte zur Achtsamkeit:

Ohne Worte- ohne Schweigen

Nan-in war ein Zen-Meister. Seine Schüler lernten normalerweise mindestens zehn Jahre bei ihm, bevor sie selbst zum Lehrer wurden. Tenno, einer seiner Schüler, besuchte seinen Meister, nachdem er im Anschluss an seine Lehrzeit selbst zum Lehrenden geworden war. Da es ein regnerischer Tag war, hatte Tenno Holzschuhe und einen Regenschirm bei sich. Als er zu Nan-in getreten und ihn begrüßt hatte, sagte dieser: "Ich nehme an, dass du deine Holzschuhe im Vorraum gelassen hast. Sag mir doch, ob du deinen Regenschirm rechts oder links von den Schuhen abgestellt hast." Tenno war verwirrt und konnte die Frage nicht beantworten. Er erkannte, dass er nicht in der Lage war, seine Aufmerksamkeit in jedem Moment bei sich zu haben. Und so studierte er noch weitere sechs Jahre bei Nan-in.

Paul Reps

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