Persönlichkeit entwickeln

Vom Wahn zur Apathie und zurück – Schizophrenie III

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Behandlungsmöglichkeiten

Früher wusste man sich manchmal nicht besser zu helfen als Patienten unter Medikamenteneinfluss ruhigzustellen oder mittels Elektrokrampftherapie zu versuchen, die Funktion des erkrankten Gehirns irgendwie positiv zu beeinflussen. Über diese großflächig angewandte schmerzhafte Methodik ist man heute weitestgehend hinweg. Moderne Therapie fußt bei Schizophrenie-Patienten auf drei Säulen.

Zunächst ist eine Psychopharmakotherapie meistens unablässig. Das bedeutet, dass Medikamente verabreicht werden, bei denen tendenziell mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. Diese werden aber nicht mehr zum vollkommenen Ruhigstellen benutzt, sondern um den Betroffenen zu ermöglichen, die weiteren Therapiemethoden in Anspruch zu nehmen. Mit den heute verwendeten Neuroleptika können recht zuverlässig die akuten Krankheitssymptome (Halluzinationen etc.) reduziert werden. Nachfolgend sind sie zur psychischen Stabilisierung in postakuten Krankheitsphasen unabdingbar und ermöglichen Betroffenen die Aufrechterhaltung ihrer sozialen Funktionsfähigkeit. Sie sind essentielles Element bei der Wiederherstellung von Lebensqualität und Reduktion von längerfristig bleibenden Negativsymptomen.

Die zweite und dritte Säule stellen Sozial- und Psychotherapie dar. Denn es ist wichtig, den Betroffenen zu helfen, die eventuell vorliegenden krankheitsverschlechternden Sozialbedingungen (wie z. B. ein problematisches familiäres Umfeld) in den Griff zu bekommen. Außerdem können soziale Fertigkeiten trainiert werden und an kognitiven Defiziten mithilfe kognitiver Therapie gearbeitet werden.



Die obige Abbildung stellt anhand des Vulnerabilität-Stress-Modells die Behandlung dar. Sichtbar ist, dass mittels der beschriebenen unterschiedlichen Ansätze versucht werden muss, die vielfältigen Problembereiche in den Griff zu bekommen, wie die zur Gravierung beitragenden Stressoren, die vorhandenen physiologischen Gegebenheiten und die psychischen Defizite.

Schlusswort

Wir hoffen, Ihnen mit unserer Reihe zu Schizophrenie ein tieferes Verständnis für die Erkrankung, die Erkrankten und die Möglichkeiten der Therapie gegeben zu haben. Es ist – wie bei allen psychischen Erkrankungen – auch hier wichtig, einerseits die Erkrankung und Erkrankten ernst zu nehmen und andererseits die Erkrankten nicht leichtfertig mit dem Stempel „krank“ oder ähnlichem abzuschreiben. Eine Person mit Schizophrenie ist immer mehr als ihre Erkrankung und nur einen Bruchteil der Zeit von ihren Symptomen betroffen. Sie kann mithilfe einer passenden Einstellung mit Medikamenten oft ein gutes Leben führen. Wenn Sie die anderen Artikel dieser Reihe noch nicht gelesen haben, können Sie hier Teil 1 und hier Teil 2 erreichen.

Autor: Maximilian Sonntag (Impulsdialog)



Quellen:
Vorlesungsinhalte aus „Klinische Psychologie II“ an der FSU Jena

Anmerkung des Autors:
Das der leichteren Lesbarkeit halber ggf. verwendete generische Maskulinum schließt sämtliche sexuelle Identitäten ein und soll insofern nicht als Form sozialer Diskriminierung missverstanden werden.

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