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Voll Porno I - Was ist Pornografie und wer nutzt sie?

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Pornografie ist ein stark debattiertes Thema, welches in der Öffentlichkeit in den meisten Fällen als abstoßend und verwerflich dargestellt wird. Allerdings bezieht sich die Begründung vielmehr auf Pornografie-Mythen und Frauenfeindlichkeit als auf die verschiedenen Genres selbst. Aus diesem Grund sollte man nicht versäumen, sich detaillierter mit dem Gegenstand der Pornografie auseinandersetzen.

Por·no·gra·fi̱e̱, Pornographie:
Substantiv [die]
"sprachliche, bildliche Darstellung sexueller Akte unter einseitiger Betonung des genitalen Bereichs und unter Ausklammerung der psychischen und partnerschaftlichen Aspekte der Sexualität" (Definition: Duden Online)

Typen von Pornografie

1. Weiche Pornografie / Erotika / Softcore-Darstellungen
Sexuelle Interaktionen werden andeutungsweise und eingebettet in größeren Handlungskontexten gezeigt. Diese Form von Pornografie ist auch für Minderjährige erlaubt (z.B. Nacktdarstellungen in Zeitungen).

2. „Normale“ Pornografie / einfache Pornografie / Hardcore-Darstellungen
Sexuelle Interaktionen werden detailliert und weitgehend isoliert gezeigt. Hierzu zählt die Darstellung gewaltfreier sexueller Handlungen einer oder mehrerer Personen. Diese Art der Pornografie ist nur Erwachsenen vorbehalten und für Jugendliche nicht erlaubt.

3. Illegale Pornografie / harte Pornografie
Hierzu zählen Gewalt-, Tier-, Jugend- und insbesondere auch Kinderpornografie. Die Produktion, Verbreitung und auch der Besitz solcher Pornografie stellt eine gesetzliche Straftat dar.

Es gibt je nach sexualmoralischen Vorstellungen und auch subjektiven Geschmacksurteilen sehr verschieden ausgerichtete Definitionen von Pornografie. Wertfreie inhaltlich-funktionale Definitionen gehen dann von „Pornografie“ aus, wenn nackte Körper und sexuelle Aktivitäten direkt und mehr oder weniger detailliert gezeigt werden. Produktion und Nutzung dienen vorwiegend dem Zweck der sexuellen Stimulation. Es gibt Abgrenzungen bezüglich des Medienformates (Text- oder Videopornografie), der Produktionsform (professionelle- oder Amateur-Pornografie) und der Inhalte oder Zielgruppen (Mainstream- oder Non-Mainstream-Pornografie). In der englischsprachigen Internet-Enzyklopädie Wikipedia kann man sogar über 100 verschiedene Sub-Genres finden.

Mainstream-Pornografie beinhaltet Produkte der etablierten Porno-Industrie, welche sich besonders an heterosexuelle Männer richten. Dadurch wird das männliche Sexualvergnügen in den Vordergrund gestellt, was deutlich wird durch:

• Körperlich attraktive weibliche Darstellerinnen
• Darstellung von Sexualpraktiken, die von den meisten Männern als erregend erlebt wird
• In Szene gesetzte weibliche Körper

Non-Mainstream-Pornografie bezeichnet insgesamt drei inhaltliche Subgenres:

a) Frauen-Pornografie, welche die sexuelle Befriedigung der Frau in den Mittelpunkt stellt und meist von und für heterosexuelle Frauen produziert wird. Sie ist gekennzeichnet durch sehr attraktive männliche Darsteller, intensive Blickkontakte der Akteure und verschiedene Szenarien mit einer umfangreicheren Handlung, aus welcher die Motivation der Beteiligten für den Akt hervorgeht.

 b) Queere Pornografie thematisiert Sexualpraktiken von gleichgeschlechtlichen Menschen oder nicht traditionellen Geschlechtsidentitäten. Bewusst werden Stereotype in Bezug auf Geschlecht, Alter, Körpertyp oder Ethnie entkräftet und auch Fetisch oder BDSM-Elemente können auftreten. Safer-Sex-Maßnahmen wird in diesem Subgenre besondere (beziehungsweise überhaupt) Beachtung geschenkt.

c) Amateur-Pornografie wird von und mit Laien produziert, welche meist auch reale Paare sind. Die dargestellten Situationen sind oft ungekünstelt und gewollt nicht perfekt.

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Für die Einordnung von Pornografie in „gut“ oder „schlecht“ sollten die verschiedenen Subgenres der Pornografie durchaus beachtet werden, da nicht jede Form der Pornografie z.B. Frauen als minderwertige Personen darstellt oder Gewalt verherrlicht.

Mythen der Pornografie

Nymphomanie-Mythos: Darstellung der Frau als sexuell unersättliches Wesen, die ihre Sexualpartner frei und wahllos aussuchen oder immer sexuell verfügbar und erregt sind. Keine emotionale Zuwendung oder respektvoller Umgang und im schlimmsten Fall sogar Hass oder Verachtung werden der Frau entgegengebracht.

Vergewaltigungs-Mythos: Szenarien, in denen Frauen Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen (Vergewaltigungen) und sexuelle Nötigungen genießen und sich nicht dagegen wehren. Dass solche Szenarien im wahren Leben drastisch anders ablaufen, wird nicht beachtet.

Verbreitung von Pornografie im Internet

Bei der Pornografie im Internet werden pornografische Schriften, Bilder, Tonträger, Filme und Videos meist über pornografische Webseiten verbreitet. Eigenschaften wie Anonymität, ständige Verfügbarkeit und (vermeintlich) kostenlose Angebote machen das Internet zu einer der Hauptverbreitungsarten der Pornografie von heute. Allerdings ist diese Art der Darstellung rechtlich nicht eindeutig geklärt, da der Jugendschutz allzu oft nicht abgesichert werden kann und teilweise verbotene Inhalte verbreitet werden können.

Die Porno-Industrie erwirtschaftete 2006 mehr Gewinn als die Firmen Microsoft, Google, Amazon, eBay, Yahoo, Netflix und Earthlink zusammen und ist damit ein nicht zu verleugnender Industriezweig. Schätzungsweise 25% des gesamten Internet-Datenverkehrs haben pornografischen Inhalt, wobei die meisten dieser Seiten an Werktagen von 9 bis 17 Uhr aufgerufen werden. Jede Sekunde schauen sich weltweit durchschnittlich 28.258 Menschen Pornos im Internet. Allerdings werden auch 35% aller Nutzer nur ungewollt mit pornografischem Material konfrontiert.

Nutzerprofile - Pornografie als reine Männerdomäne?

Pornografie wird meist stereotypisch Männern zugeordnet und tatsächlich berichten Männer deutlich höhere Nutzungsintensitäten als Frauen (z.B. Hald 2006; Shaughnessy et al 2010). Dabei wird oft der Fehler begangen, Frauen völlig außer Acht zu lassen, obwohl Internetpornografie keinesfalls eine reine Männerdomäne ist. 72% der pornografischen Portale werden von Männern aufgerufen – 28% von Frauen. Schenkt man verschiedensten Studien Glauben, so besuchen 40% der Frauen einmal im Monat Webseiten mit pornografischem Inhalt und ungefähr 10% (Weber und Daschmann 2010) bis 31% (Carroll et al 2008) der Mädchen und Frauen sollen regelmäßig (mindestens einmal wöchentlich) Pornografie nutzen. Allerdings sind Domänen wie Masturbation und Konsumieren von Pornos unter Frauen eher Tabu-Themen, während Männer diese Bereiche eher tolerieren und untereinander besprechen.

 

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Warum wird Pornografie genutzt?

Es ist davon auszugehen, dass die Nutzung von Pornografie in der westlichen Welt sowie in den meisten anderen Kulturen weit verbreitet ist. Allerdings wird sie oft verschwiegen und nur stillschweigend akzeptiert. Konsumiert werden Pornos allein, zu zweit oder in der Gruppe. Bei Einzelpersonen steht häufig die Selbstbefriedigung im Vordergrund, Paare nutzen sie eher als Vorspiel zum Geschlechtsverkehr. Die Konsumierung in Gruppen – beinahe ausschließlich unter Männern – dient zumeist der einfachen Unterhaltung oder Einstimmung auf einen „Partyabend“.

Jugend und Pornografie

Laut einer Studie unter Schweizer Jugendlichen im Jahr 2011 sind die Hauptgründe für Pornokonsum bei Jungen Selbstbefriedigung (60%), der Spaßfaktor (38%) und um zu wissen, was ein Porno überhaupt ist (37%). Bei Mädchen sind die Gründe allerdings anders: 42% der befragten Mädchen gaben an, dass sie nur zufällig auf einen Porno gestoßen seien und 40% kamen in den Kontakt mit Pornografie, weil es ihnen jemand gezeigt hat. Nicht vergessen sollte man auch, dass viele Jugendliche begünstigt durch die ständige Verfügbarkeit „einfach aus Neugier über das Sexualverhalten anderer“ die ersten Erfahrungen mit Pornografie machen.

Fazit

Wie auch immer man selbst über Pornografie oder deren Nutzung urteilen möchte – ohne detaillierte Betrachtung kann man nicht alle Formen über einen Kamm scheren. Welche Wirkungen (sowohl negative als auch positive) die Nutzung von Pornografie haben kann, erfahren Sie in den folgenden Artikeln zum Thema.


Autor: Susanne Schneider (Impulsdialog)

Weiterführende Links:
Voll Porno II - Unterscheidung zwischen Porno und Real Life

Quellen:
http://www.duden.de/rechtschreibung/Pornografie

http://www.internet-pornografie.de/fileadmin/internet-pornografie/media/Literatur%20zu%20Internet%20Pornografie.pdf

http://www.internet-pornografie.de/fileadmin/internet-pornografie/media/2013%20Zusammenfassung%20neuerer%20psychologischer%20Studien%20zum.pdf

http://www.ethikinstitut.de/fileadmin/ethikinstitut/redaktionell/Texte_fuer_Forum_Ethik/11-Internetpornografie_Gasnik.pdf

https://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=1173

http://www.nicola-doering.de/wp-content/uploads/2014/08/D%C3%B6ring-2011-Pornografie-Kompetenz.pdf

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