Persönlichkeit entwickeln

Traumatransmission - Kann man ein Trauma vererben?

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Auf einen Blick:

1. Seite: Einführung und Gene

2. Seite: Reaktionen des Gehirns auf Trauma - Amygdala

3. Seite: Erinnerung und Trauma - Hippocampus

4. Seite: Traumatransmission

5. Seite: Negative Emotionen

6. Seite: Zusammenfassung

Seite 2 - Reaktionen des Gehirns auf Trauma - Amygdala

Was geschieht im Gehirn, wenn ein Mensch ein Trauma erlebt?

Erlebt man eine traumatische Situation, wird im Gehirn eine Verknüpfung zwischen den Merkmalen der Situation und der Angst geknüpft. Die Situation wird dabei im Gedächtnis eingespeichert und mit dem Gefühl von Angst verknüpft, so dass die selbige erneut auftritt, wenn die Situation oder Bestandteile der Situation wieder erlebt oder erinnert werden. Das heißt folglich, wenn man einem Merkmal der Situation begegnet, wird automatisch auch die damit verknüpfte Angst ausgelöst. Ein Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls, wird zum Beispiel nervös, sobald er ein Messer sieht. Er hat unbewusst gelernt, Messer sind gefährlich, ich sollte Angst haben. Das nennt man Furchtkonditionierung. Es stellen sich also die Fragen: Welche neuronalen Prozesse liegen dem zu Grunde? Was kann davon vererbt werden? Die Verknüpfung zwischen der Angst und der Situation kann sich hinsichtlich ihrer Stärke und Differenziertheit unterscheiden.

Die Stärke der emotionalen Reaktion - Amygdala

Für die Stärke der Verknüpfung ist eine kleine mandelförmige Gehirnstruktur verantwortlich, die Amygdala. Sie hat unter anderem Einfluss auf die Stressreaktion und die Gedächtnisbildung. Ihre Bedeutung entfaltet sie in stark emotionalen Situationen. Das heißt, wenn eine Person in einer traumatischen Situation große Angst erlebt, wird die Amygdala aktiv. Sie initiiert eine feste Einspeicherung der Situation und zugleich eine starke Verknüpfung dieser Situation mit der Angst. Gleichzeitig löst sie die Ausschüttung von Stresshormonen, wie Kortisol und Adrenalin aus, die in der Nebenniere hergestellt werden. Diese gelangen unter anderem über die Blutbahn zurück ins Gehirn, wo sie wiederum auf die Amygdala wirken. Durch diesen Kreislauf wird sie noch aktiver und wirkt noch stärker auf die Gedächtnisbildung ein.

Wie empfindlich die Amygdala auf das Stresshormon Adrenalin reagiert – das heißt wie sehr sie ihre Aktivität steigert, wenn Adrenalin auf sie einwirkt – hängt von der Anzahl ihrer Alpha-2b-adrenergen Rezeptoren ab. Das sind eine Art Andockstellen für Adrenalin. Je mehr es davon gibt, desto mehr Adrenalin kann in die Amygdala gelangen, um dort seine Wirkung zu entfalten und desto stärker wiederum werden emotionale Erfahrungen im Gedächtnis eingespeichert. Die Anzahl der Rezeptoren wird über ein bestimmtes Gen kodiert. Dieses Gen kann von Eltern an Kinder weitergeben werden. In diesem Fall vererben sie die Anlage emotionale Situationen besser ins Gedächtnis einzuspeichern, was im Alltag nicht schlimm, in traumatischen Situationen aber riskant sein kann.

 

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