Persönlichkeit entwickeln

Resilienz – Was uns nicht umbringt, macht uns stärker

24342 Leser / 1 Kommentar
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)

Auch in Krisen einen Sinn sehen: was resiliente Menschen kennzeichnet

Dem eigenen Schicksal ist man nicht einfach ausgeliefert – davon sind vor allem Menschen überzeugt, die in Krisensituationen besonders "zäh", eben resilient, sind. Sie glauben daran, auch in schweren Zeiten die Dinge selbst in der Hand zu haben, das eigene Schicksal nicht einfach passiv und hilflos hinnehmen zu müssen, sondern es aktiv bewältigen und auf eine bessere Lebenssituation zuarbeiten können. Sie geben nicht auf, sondern richten den Blick nach vorne und schöpfen Kraft von innen (durch Akzeptanz, positiven Zuspruch, Selbstvertrauen etc.) und außen (durch nahestehende Menschen, psychologische Hilfe etc.). Die gegenwärtigen Umstände werden als das angenommen, was sie sind; resiliente Menschen machen sie zum Ausgangspunkt für weitere Handlungsschritte und arbeiten mit ihnen. Sie entwickeln also auch aus der gegebenen Situation einen eigenen Handlungsspielraum, anstatt sich nur in Gedanken eine andere Gegenwart herbeizuwünschen. Sie wachsen also in Krisen und sehen darin sogar Möglichkeiten zu Veränderungen zum Guten.

 

Gedanken, die die eigene Resilienz stärken können

Wie resilient ein Mensch ist, hängt nicht von Glück oder Zufall und auch nicht nur von der genetischen Veranlagung ab – darin sind sich heute viele Forscher einig. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass alle Menschen eine gewisse Widerstandsfähigkeit in sich tragen. Menschen unterscheiden sich lediglich darin, wie gut sie helfende Ressourcen in ihrem Inneren und ihrem Umfeld mobilisieren können – manche schaffen das von Grund auf gut, andere wiederum kostet eine bewusste Förderung dieses Prozesses mehr Überwindung oder auch eine Hilfestellung von außen.

Den eigenen Blickwinkel hinterfragen

Ein entscheidender Faktor ist der eigene Standpunkt, den man zu jenen Situationen einnimmt, die schwer zu bewältigen sind. Ein erster Schritt kann also sein, auch größeres Leid als etwas zu betrachten, was zum Leben dazu gehört – es ist der tapfere Umgang mit diesem Leid, der oft die größte Aufgabe darstellt. Schmerz und Enttäuschung sind im Leben unvermeidlich, doch sie bieten auch Chancen, indem sie neue Entwicklungen anstoßen können und sich nach ihrer Überwindung als wertvolle, lehrreiche Erfahrungen in die eigene Identität integrieren.

Was uns nicht umbringt, kann uns eben doch ein bisschen stärken. Ein hilfreicher Gedanke für kleinere Krisen lehnt sich an das 80/20-Prinzip an: Ohne die 20 Prozent der Erfahrungen, die unangenehm, schwierig und  widerstrebend sind, gäbe es die anderen 80 Prozent nicht, die uns mit Freude und Sinnhaftigkeit im Leben erfüllen. Manchmal mag uns der unangenehme Teil der Gleichung als weitaus größer als nur 20 Prozent erscheinen – und doch gibt es immer diesen anderen Teil, für den es sich lohnt, eine dicke Haut zu zeigen und sich durch das Unangenehme durchzubeißen.

Solche Denkansätze können dabei helfen, sich bewusst von der Vorstellung zu verabschieden, dass alles jederzeit möglichst reibungslos ablaufen möge. Nicht selten wird ein beträchtlicher Anteil des Schmerzes von dem Wunsch verursacht, alles möge doch anders sein. Dieses Grübeln kostet immens viel Kraft und zielt an dem Hier und Jetzt vorbei. Akzeptanz ist hier der Schlüssel für Veränderung. Manchmal muss man beide Füße fest auf den Boden stellen und sich sagen: es ist jetzt, wie es ist. Und vom Punkt dieser Einsicht aus kann der Blick nach vorne gerichtet werden. Denn weiter geht es nur im Vorwärtsgang.

 

Weiter auf der nächsten Seite...

Seite 1 2 3 / Auf einer Seite lesen / PDF Download

Ein Kommentar

Ich fand den Artikel sehr inspirierend. Obwohl mir der Begriff "Resilienz" nicht bekannt war, kennt, denke ich, jeder den Umstand, das manche Menschen geistig erstaunlich "stark" sind. Ich finde es vor allem wichtig zu betonen, dass sich die Resilienzfähigkeit individuell unterscheidet und dass, wenn eine Person eine Situation nicht meistert, die andere gut überstehen, sie deshalb nicht "Schwach" ist oder "Sich mal zusammenreißen" soll. Ein interessanter Einblick in die Welt der Psychologie.
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)
JuliaS

Kommentar schreiben

Bewertung des Artikels:
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)