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Nahtoderfahrungen – Sterben im Fokus der Wissenschaft

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• Damit im Zusammenhang sollten biologische Prozesse betrachtet werden: Im Falle eines Kollaps des Herz-Kreislauf-Systems, kommt es nach kurzer Zeit zum Sauerstoffmangel im Gehirn. Die Patienten werden bewusstlos. Infolgedessen versagt die Atmung. Befindet sich ein Patient in dem Zustand des sogenannten klinischen Todes, gilt es schnell zu reagieren. Im Rahmen des klinischen Todes kommt es zu beschriebenen Nahtoderlebnissen. Vor allem Stimulationen des Temporallappens im Gehirn, also den im Schläfenbereich befindlichen Regionen, führen zu Körperaustrittserscheinungen und Dejá-vu-Erlebnissen. Auch die Sehrinde wird als Ort der Nahtoderlebnisse bei Sauerstoffmangel diskutiert. Ebenfalls können ein Sauerstoffüberschuss oder eine vermehrte Ausschüttung von Endorphinen (euphorisierend und schmerzlindernd) oder Hormonen zu Phänomenen des Nahtodes führen. Neue Untersuchungen an Ratten ergaben zudem eine erhöhte neuronale Aktivität kurz vor dem Tod. Mit Hilfe von EEG-Aufzeichnungen konnte gezeigt werden, dass die Ratten Wellen auf dem EEG zeigen, die dem Wachzustand entsprechen oder über diesen hinausgehen.

• Psychologische Ansätze gehen vor allem davon aus, dass eine Nahtoderfahrung evolutionäre Vorteile mit sich bringt, da Panik durch das Gefühl des Friedens verringert wird und somit Energiereserven aufrechterhalten werden, sodass der Körper im Falle einer Reanimation entsprechend reagieren kann. Andere Theorien gehen davon aus, dass sich durch den fehlenden Input von außen das Gehirn durch diese Prozesse selbst stimuliert.

 • Ähnliche Erlebnisse sind aus dem Floating (Entspannungsübung um den Einfluss äußerer Reize auf die Wahrnehmung des Menschen zu minimieren) bekannt. Auch hier werden verschiedene Annahmen zu Halluzinationen diskutiert. Es bestehen ebenso Modelle aus der Psychodynamik.

• Der Nahtod wird von einigen Forschern auch immer wieder als Traum beschrieben und mit Klarträumen verglichen. Auch hier empfinden sich die Personen selbst als wach, klar und in einem realen Zustand.

Neben den biologischen/psychologischen Erklärungsansätzen versuchen auch unterschiedliche Glaubensrichtungen eine Nahtoderfahrung zu entschlüsseln.

 

Was ändern Nahtoderlebnisse?

Viele Menschen, die ein solches Erlebnis durchlebt haben, berichten von starker Änderung ihrer persönlichen Werte, Vorstellungen und Glaubensinhalte. Beispielsweise haben sie kaum noch oder gar keine Angst vor dem Tod oder dem Sterben. Dies wiederum führt bei einigen Betroffenen dazu, dass sie sich bewusst gefährlichen Situationen aussetzen, da sie sich unverwundbar fühlen. Häufig gehen Nahtoderlebnisse aber auch mit gesteigerter Religiosität einher. Unmittelbar nach dem Erlebnis sind manche Betroffenen verärgert über den unverhofften Abbruch dieser schönen und friedvollen Erfahrung.

Resümee

 

Nahtoderlebnisse sind keine einfachen Phänomene, die nur bei bestimmten Personen vorkommen. Viel eher sind sie sowohl in ihrer Ausprägung, als auch in ihrem Auftreten, sehr vielschichtig. Ebenso verhält es sich mit den Erklärungsansätzen, die im vorliegenden Umfang nichts anderes sind, als Ansätze und Versuche, die umfangreichen und komplexen Erscheinungen zu erklären. Weitere Forschung kann dahingehend vielleicht Aufklärung bringen.

Autor: Sylvia Kraus (Impulsdialog)



Quellen: Fauth, U., & Rümelin, A. (2003). Nahtoderfahrungen. Notfall & Rettungsmedizin, 6(7), 509-519. doi:10.1007/s10049-003-0602-1
Parnia, S., Spearpoint, K., de Vos, G., Fenwick, P., Goldberg, D., Yang, J., ... & Schoenfeld, E. R. (2014). AWARE—AWAreness during REsuscitation—A prospective study. Resuscitation, 85(12), 1799-1805.
Roberts, G. & Owen, J. (1988). The near-death experience. British Journal of Psychiatry, 153, 607–617.
http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wissenschaft/d/5518556/forschergruppe-untersucht-nahtoderfahrungen.html

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Ein Kommentar

Wirklich interessant das Thema "Tod" aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Im Alltag ist dieses Thema ja teilweise ein Tabuthema, genau wie das Thema Nahtod. Es ist gut zur Abwechslung auch auf genaue und interessante Fakten und Erlebnisse zu stoßen.
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Alexandra B.

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