Persönlichkeit entwickeln

Partnerschaften im digitalen Zeitalter

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Existiert das klassische Bild der Hausfrau und des arbeitenden Ehemannes noch oder werden heutzutage sämtliche Beziehungen individualisiert? In der Gesellschaft ist das Bild der klassischen, traditionellen Ehe von früher kaum noch existent. Stabile und vorgegebene Rollen wie in den früher gängigen Konstellationen „der Mann geht arbeiten und die Frau ist Zuhause und kümmert sich um Haushalt und Kinder“, sind von vielen nicht mehr gewünscht.

Neue Medien- neue Beziehungen? Einfluss von Medien auf Liebesbeziehungen

Heutzutage werden die Gesellschaft und auch Paarbeziehungen durch den Prozess der Individualisierung geprägt. In Beziehungen wollen sich beide zunehmend frei und individuell nach eigenen Vorstellungen und Präferenzen entfalten und verwirklichen. Grenzen von Partnerschaften werden aufgelöst. Es gibt zunehmend neue Formen von Paarbeziehungen. Beispiele dafür sind offene Beziehungen und offene Ehen, aber auch Freundschaften mit „Extras“ oder sogenannte Mingle-Beziehungen, in denen der eine glaubt, dass beide eine Beziehung führen, der andere dies aber überhaupt nicht in Erwägung zieht.

Verantwortlich dafür werden unter anderem die Medien und vor allem neue Medien gemacht. Durch diese wird zunehmend die Kommunikation in sozialen Beziehungen - auch Paarbeziehungen - bestritten. Demnach herrscht folglich die Annahme, dass durch die Entwicklung neuer Medien, auch die Kommunikation in Beziehungen und auch die Strukturen und Formen von Beziehungen verändert werden können. Ist es aber wirklich so, dass keine „klassischen“ Vorstellungen von Paarbeziehungen mehr existieren? Werden sämtliche Phasen (in Kontakt treten, das Kennenlernen bis hin zum Ende einer Beziehung) durch die gesellschaftlichen und medialen Veränderungen beeinflusst?

Eine Vielzahl von Studien legen nahe, dass sich die Struktur innerhalb von Paarbeziehungen durch die Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft und den Medien verändert hat. Menschen können einfacher miteinander in Kontakt treten, sind ständig erreichbar und gestalten ihren Tagesablauf gemeinsam. Zunehmend wächst jedoch auch der Anspruch, sein Leben selbst zu gestalten. Demnach sind heute Paarbeziehungen - wenn sie denn einmal geschlossen werden - von mehr Chancen zur Verwirklichung für beide Partner geprägt. Es ergeben sich mehr Freiräume und mögliche Lebenswege, Arten der Kommunikation und Familienkonstellationen. Jedoch gibt es auch mehr Herausforderungen für Paare. Partner stellen oft höhere Ansprüche und Erwartungen aneinander als früher, denen man unter Umständen nicht gerecht werden kann. Verschiedene Statistiken (Bsp: Scheidungsrate) belegen diese gestiegenen Erwartungen, die zunehmend unerfüllt bleiben. Wurden im Jahr 1954 lediglich ca. 50 000 Ehen geschieden, waren es im Jahr 2013 mehr als das dreifacher an Scheidungen (ca. 170 000). Dass Partnerschaften weniger stabil sind, liegt natürlich auch daran, dass die Partner weniger voneinander abhängig sind - Stichworte Individualisierung, Emanzipation und Frauenquote.

Unter all diesen Veränderungen von Paarbeziehungen belegen jedoch Studien auch, dass vor allem in der Phase der Kontaktaufnahme und des Kennenlernens, die Erwartungen grundlegend gleich geblieben sind. Zwar wird die Kontaktaufnahme durch moderne Medien und Kommunikationsformen (Bsp: Internet) erleichtert, wer aber wen anspricht und welche Kriterien ein potentieller Partner haben soll, ist häufig noch so wie vor vielen Jahren. Untersuchungen ergaben zudem, dass innerhalb des Onlinedatings Männer häufiger Frauen ansprechen als umgekehrt. Des Weiteren werden Partnerschaften auf Grundlage ähnlicher Prinzipien geschlossen. Frauen und Männern wollen in der Regel einen Partner, der ihnen im Hinblick auf Bildung, physische Attraktivität und einer Vielzahl anderer Attribute ähnlich sind. Aber auch traditionelle Vorstellungen, wie z.B., dass ein Mann mehr verdienen soll als die Frau, werden innerhalb des Onlinedatings kommuniziert, während Strukturen und Formen wie "Frauen übernehmen die Rolle des Alleinverdieners" auch hier eher abgelehnt werden.

Klar ist demnach nur, dass die Partnerwahl anders funktioniert als früher, da man unter anderem mehr Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme und Aufrechterhaltung hat. Entgegen der Annahmen, dass sich Partnerschaften grundlegend in Struktur und Form verändert haben, gibt es jedoch auch Belege dafür, dass teilweise immer noch klassische Vorstellungen von Paarbeziehungen herrschen. Es existieren demnach mehr Formen von Paarbeziehungen und es herrschen teilweise andere oder mehr Ansprüche an den Partner. Die Merkmale auf Grundlage derer man sich seinen Traumpartner auswählt, sind jedoch sehr ähnlich geblieben.
Für Singles und „Nach-Einer-Beziehung-Suchende“ heißt es nun: Eigene Vorstellungen und Erwartungen klar ausdrücken, aber auch offen sein, für Kompromisse und nicht zu schnell aufgeben!


Weiterführende Links:
Onlinetraining: Kommunikation - Wünsche und Bedürfnisse
Onlinetraining: Kommunikation - Emphatie Bitten
Lernmappe: Angst - Gedanken und Verhalten

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