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Mein Leben mit Morbus Sudeck -Täglicher Kreislauf zwischen Depression und Schmerz

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Morbus Sudeck bestimmt nicht nur mein Leben, es ist schon beinah meines geworden. Der prickelnde Schmerz, welcher immer heftiger wird - Ein ständiger Begleiter von mir. Prickeln ist wohl das letzte bisschen Sarkasmus, welcher mir noch geblieben ist. Viel eher ist der Schmerz ein heftiges Stechen, welches mich verzweifeln lässt. So schlimm ist der Schmerz. Morbus Sudeck - Mein Leben mit dem Schmerz. Informieren Sie sich bei Impulsdialog über zahlreiche alltägliche und psychologische Themen, profitieren Sie von Erfahrungen Anderer oder gehen Sie gezielt Ihre ganz persönlichen Hürden und Probleme an.

"Seit 5 Jahren habe ich nun Morbus Sudeck. Eine schmerzhafte Erkrankung einer oder mehrerer Gliedmaßen, die meist nach äußeren Einwirkungen, wie nach Brüchen, Verletzungen oder Operationen, entsteht. Warum, ist unbekannt. Nach einem Autounfall hatte ich mir die Hand angebrochen und musste operiert werden. Was blieb waren Schmerzen, Entzündungen und die dauerhafte Einnahme von Medikamenten. Die Krankheit ist jedoch nicht wirklich das, was mich Tag für Tag fertig macht. Eher die Tatsache, dass ich für immer eine chronische Schmerzpatientin bin. Ich werde daher immer in meinem Leben beeinträchtigt sein.

Ich stehe morgens auf und das erste was ich spüre, noch bevor ich wirklich die Augen aufgeschlagen habe, ist der Schmerz. Es brennt, juckt und ist empfindlich gegenüber jeder Berührung. Selbst Gänsehaut ist für mich verdammt schmerzhaft. Genervt stehe ich auf. Warum passiert mir soetwas? Ich bin doch nicht so eine, die nichts mehr alleine schafft. Ich hab das immer gekonnt und werde es auch in Zukunft alles alleine schaffen. Das denke ich solange, bis mir aus Versehen doch der Teller aus der Hand rutscht und es einfach zu schmerzhaft wurde. Aber wenn auch keiner sieht das ich Hilfe brauche, dann muss ich es ja schließlich auch alleine machen!

Ich kann mich auf meiner Arbeit kaum konzentrieren. Ständig pocht meine Hand. Sie hindert mich daran, die Buchstaben in den Computer zu tippen. Ich werde ziemlich grantig und das wissen auch alle in meinem Umfeld. Am schlimmsten aber merkt das mein Mann und meine Tochter. Oft musste ich mir anhören, dass ich nicht so gereizt sein soll und das sie auch nicht immer wissen, wie sie mir helfen können. Wenn ich das selber wüsste. Wenn sich mal jemand in diese Situation hinein versetzt und auch einmal solche Schmerzen hätte, der würde auch nicht mehr lachend durch die Welt stolzieren.
Kann nicht einfach irgendwer kommen und mir diese verdammte Hand abhacken? Einige Male habe ich daran gedacht, mir einfach das Handgelenk zu brechen. Vielleicht seht ihr ja dann endlich ein,dass das Handgelenk einfach zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Ich hoffe ehrlich gesagt darauf, denn dann wäre ich endlich schmerzfrei. Oder besser gesagt: Vielleicht wäre ich schmerzfrei.

Das mich Schmerzen einmal im Leben so aufhalten können hätte ich nie geglaubt. Alles dreht sich um meine Schmerzen. Wann nehme ich die Tabletten ein? Habe ich eine längere Strecke vor mir und muss mich dementsprechend auf Schmerzen durch die Erschütterung beim Gehen einstellen? Selbst im Urlaub muss ich an alles rund um den Schmerz denken. Ich habe schon lange nicht mehr gelacht. Wie auch, wenn beim Lachen sofort der Schmerz einsetzt. Deswegen war ich auch schon ewig nicht mehr auf einer Feier. Immer fragen die Leute was ich habe und ob das nicht heilbar ist. Es dreht sich wieder mal alles um meine Krankheit. Und was ist mit mir? Meine Tochter wollte ich auch schon lange mal wieder besuchen. Doch selbst dazu fehlt mir der Elan.

Der Schmerz tötet jegliche Lebensfreude. Durch seine permanente Anwesenheit sitzt er in jeder Lebenssituation in der ersten Reihe. Gleich neben dem Dauergast Depression. Ich bin dauerfrustriert, will nicht mehr nach draußen und bin unendlich müde. Warum warnte mich niemand davor, dass so etwas passieren kann? Das mich der Schmerz innerlich zerfrisst sowie der Gedanke daran, dass es nie wieder so werden wird wie es einmal war. Der Schmerz – mein ewiger Wegbegleiter, egal wie ich mich fühlen werde. Ganz habe ich die Hoffnung aber nochvnicht aufgegeben. Vielleicht gibt es eines Tages doch einen Weg der Heilung. Irgendetwas muss ja die Physio- und Ergotherapie bringen. Aber dennoch hat irgendwie ein Teil meiner Lebensfreude der Krankheit Platz gemacht. Aber kampflos überlasse ich ihn dem Schmerz nicht."

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Ein Kommentar

Auch wenn ich selbst nicht betroffen bin, empfinde ich den Austausch als sehr wichtig. Wir möchten in Zukunft noch mehr Erfahrungsberichte veröffentlichen, um für andere Betroffene ein Signal zu setzen. Ihr seid nicht allein.

Jeder der uns dabei unterstützen möchte, kann sich gerne unter kontakt@impulsdialog.de melden.
Vielen Dank und alles Gute.
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William Kremlitschka

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