Panorama erleben

Umgang mit schweren Erkrankungen (Krankheitsbewältigung Coping)

21565 Leser / 0 Kommentare
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)

Auf einen Blick:

1. Seite: Überblick schwere Erkrankungen

2. Seite: Neue Aufgaben

3. Seite: Warum fragen wir uns nicht das Gegenteil?

4. Seite: Zusammenfassung

Seite 2 - Neue Aufgaben

In der Folge einer schweren Erkrankung stehen Patienten dann meist vor folgenden Aufgaben:

1. Bewältigung der akuten Bedrohung auf körperlicher Ebene, beziehungsweise Anpassung an die dauerhaften körperlichen Herausforderungen (Umgang mit Schmerzen, irritierende Symptome, möglicherweise aufwändige und zeitraubende Therapieverfahren, Anpassung an die körperlichen Einschränkungen)

2. Anpassen der sozialen Situation (Rolle in der Familie, Arbeit etc.). Dies alles wird unter dem Begriff des Coping gefasst, also der Krankheitsbewältigung. Hierzu gibt es viele Studien, die nach den Faktoren für eine gute Krankheitsbewältigung fragen. Nach Ansicht des Medizinsoziologen Oda, der eine Studie über Spontanremission bei Krebs durchführte, gilt es aber, den Fokus zu erweitern, denn: „Ein Mensch bewältigt nicht nur das Negative, sondern er verwirklicht auch aktiv das Positive: sein Wohlbefinden, sein Lebensziel, einen Traum, gute Beziehungen, die Entfaltung seiner Persönlichkeit, das Wachstum oder das persönliche Potential. Die Orientierung an der Bewältigung übersieht die andere Seite des Lebens.“ (Oda 2001) Dies führe letztlich zu der Frage nach unseren Ressourcen für ein ausgeglichenes Leben. Dafür können Schicksalsschläge und Krankheiten auch Auslöser sein.

3. Nach Sinn und Bedeutung des eigenen Lebens fragen beziehungsweise überprüfen des bisherigen Lebenskonzepts

Unser Leben ist zeitlich begrenzt und nicht frei von Schmerzen, Krankheiten und Leiden. Solange wir gesund sind, körperlich und geistig fit, verdrängen wir diese Tatsachen – meistens erfolgreich. Gesundheit bemerken wir ja meist erst, wenn sie nicht mehr vorhanden ist. Der Philosoph Gadamer spricht hier von der Selbstvergessenheit, die uns durch Gesundheit ermöglicht wird, und davon, dass sich uns „nur die Erfahrung der Erkrankung aufdrängt“ (Gadamer 1993). Die Schulmedizin definiert Gesundheit ebenfalls als die Abwesenheit von Krankheit. Wenn wir aber Gesundheit als etwas Ganzheitliches verstehen, kann Krankheit auch ein Bote sein, der uns auf ein Ungleichgewicht von Körper und Psyche aufmerksam macht. Sie kennen das sicherlich aus der eigenen Erfahrung, dass sich bei einer Erkrankung nicht nur das Empfinden, sondern auch der Blick auf die Welt wie auch das gesundheitliche Selbstverständnis verändern. Bisher unbeachtete Körperregionen drängen sich nun in unsere Aufmerksamkeit. Der Fokus verschiebt sich zu den störenden oder schmerzhaften Empfindungen. Viele Betroffene bekommen das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein. Teilweise fallen bestimmte Möglichkeiten des Verhaltens oder Handelns weg, oder die Erkrankung wird auch äußerlich sichtbar (z.B. Lähmungen bei Schlaganfall; Zittern bei Parkinson; Verlust der Haare während einer Chemotherapie). Die Erkrankung berührt so auch unser Selbstbild und stellt unsere soziale Identität in Frage (Rolle in der Familie oder die berufliche Stellung).

Diese Bedrohung kann zu den Fragen führen, die wir alle kennen:

Warum ich?
Warum jetzt?
Warum diese Erkrankung?
Warum erleide ich dieses Schicksal?


Auf diese Fragen gibt es keine universellen Antworten, sie müssen von jedem Menschen für das eigene Leben selbst beantwortet werden. Neben Sinn und Bedeutsamkeit der eigenen Krankheit, gilt es hier aber die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist zu betrachten. Krankheit kann, wie bereits gesagt, ein Anzeichen für eine Dysbalance zwischen Körper und Geist sein. Wenn es uns gelingt, dieses Ungleichgewicht zu beseitigen, ist unter dem ganzheitlichen Aspekt eine Rückkehr zur Gesundheit und – trotz eventuell verbleibender Einschränkungen – auch ein weiterhin befriedigendes Leben möglich. Krankheit, auch eine schwere Erkrankung, ist ein Feedback unseres Körpers. Der Körper gibt uns auf diesem Wege ein Signal, dass sich an unserer Einstellung zu uns selbst, an unserem täglichen Verhalten, an unserer Einstellung zur Arbeit, zu der Art und Weise, wie wir mit unseren körperlichen und seelischen Kräften umgehen, grundsätzlich etwas ändern muss. Es gilt herauszufinden, welche Botschaft uns unser Körper in Form dieser Erkrankung schickt.

Weiter auf der nächsten Seite...

Seite 1 2 3 4 / Auf einer Seite lesen / PDF Download

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Bewertung des Artikels:
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)