Persönlichkeit entwickeln

Hoffnung - Handlungsleitend oder irreführend?

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Hoffnungskompetenz und Optimismus

Der Mechanismus der Entstehung einer Hoffnungskompetenz ist wie folgt zu klären. Erlebt der Mensch, dass die eigenen Handlungen bewirken, dass die innewohnenden Bedürfnisse erfüllt werden, dann merkt er sich, dass sein Streben zu Erfolg führt. Dementsprechend merkt er, dass es sich lohnt zu hoffen, da seine Hoffnung erfüllt werden kann. Unterstützend wirkt zudem soziale Verbundenheit. Soziale Kontakte können schließlich hilfreich sein, um die Hoffnung zu stützen und sie können gegebenenfalls eine Erfüllung der Hoffnung (mit)bewirken.

Um auf das bereits verwendete Beispiel der Arbeitssuche zurückzukommen – ein Freund kann emotional unterstützend handeln, er kann bei der Formulierung der Bewerbung helfen. Beides unterstützt die Hoffnung, die Arbeitsstelle zu erhalten. Zudem kann ein Freund direkt die Hoffnung erfüllen, wenn in seinem eigenen Unternehmen ein neuer Mitarbeiter gesucht wird und die Stelle an den Arbeit suchenden Freund vergeben wird.

Bei diesem positiven Blick in die Zukunft, den die Hoffnung vermittelt, stellt sich natürlich die Frage, worin sich Hoffnung von Optimismus unterscheidet. Scheinbar bedeutet Optimismus schließlich nichts anderes als einen positiven Blick in die Zukunft. Der Unterschied von Hoffnung und Optimismus liegt nicht im (positiven) Zukunftsblick begründet, sondern vielmehr in der Eintrittswahrscheinlichkeit des gewünschten Ereignisses. Wer hofft, sieht die Eintrittswahrscheinlichkeit subjektiv als hoch an. Wer optimistisch ist, bleibt dies auch, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit subjektiv als niedrig eingeschätzt wird.

Die Verwendung des Wortes „subjektiv“ deutet bereits darauf hin, dass die Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit nicht mit der absoluten Eintrittswahrscheinlichkeit übereinstimmen muss. Nur: Was passiert dann, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit subjektiv als hoch eingeschätzt wird, diese objektiv allerdings sehr gering ist? Kann damit nicht die Hoffnung auf etwas Unerreichbares aufrecht erhalten werden? Wenn dem so ist, stellt sich doch die folgende Frage: In welchen Situationen ist Hoffnung schädlich?

Wann ist Hoffnung schädlich?

„Wir hoffen uns bankrott“, verkündete der Heidelberger Psychologe Arnold Retzer im Jahr 2013. Bezug nahm er dabei auf die erstaunlich geringe Lernfähigkeit von Glücksspielern bei wiederholten Verlusten. Es tritt sogar der Effekt ein, dass die subjektive Gewissheit auf einen Gewinn in der nächsten Runde und damit die Hoffnung auf eben jenen Gewinn weiter ansteigt mit jedem neuen Verlust. Diese spezifische Situation mag vielen Menschen fremd sein, doch befasste er sich nicht nur mit dem Verhalten im Casino, sondern ebenso mit dem Umgang mit Hoffnung in unserer Gesellschaft. Generell bemerkt er das Phänomen, dass ein erhofftes Ereignis, welches nicht eintritt, die Hoffnung auf dieses häufig nicht schmälert.

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