Persönlichkeit entwickeln

Hochsensitivität - Chance oder Einschränkung?

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Welchen Zweck haben die Unterschiede in der Sensitivität?

Jede Ausprägung der Sensitivität hat ihren Sinn – Normalsensitive wie Hochsensitive sind evolutionsbiologisch wichtig für die Gesellschaft und ihr Überleben. Die Hochsensitiven hatten schon in frühen Zeiten eine Anzeigefunktion für Veränderungen. Gefahren witterten sie frühzeitig und konnten die Gemeinschaft dementsprechend rechtzeitig warnen. Jedoch machte eben jene hohe Sensitivität sie ungeeignet für die unmittelbare handlungsorientierte Überlebenssicherung. Hier findet nun der größere Teil der Gemeinschaft seine Bedeutung. Unmittelbares Handeln fällt den Normalsensitiven im Gegensatz zu den eher zögerlich entscheidenden Hochsensitiven deutlich leichter, sodass durch sie eine Verteidigung der Gemeinschaft möglich ist.


Diese genetisch angelegte Rollenverteilung zeigt, wie wichtig Unterschiede in der Wahrnehmungsaufnahme und -verarbeitung sind. Ohne die Hochsensitiven wäre eine frühzeitige Vorbereitung auf Gefahren weniger möglich und ohne die Normalsensitiven würde eine unmittelbare Verteidigung schwerer ausfallen. Die beschriebenen Phänomene des frühen Witterns durch einzelne Gruppenmitglieder sowie die Verteidigung durch die anderen Gruppenmitglieder werden ebenso bei Tieren beobachtet. Dies unterstreicht die artenübergreifende Nützlichkeit unterschiedlicher Ausprägungen in der Sensitivität.

Nun stellt sich die Frage, welchen Beitrag Hochsensitive nun noch leisten können, da die ursprünglichen Gefahren für den Menschen heutzutage wegfallen. Die hohe Reizempfänglichkeit, durch welche sich Hochsensitive auszeichnen, ermöglicht nicht nur das Wittern von unmittelbar lebensbedrohlichen Gefahren, sondern führt ebenso zu seismographischen Fähigkeiten auf zwischenmenschlicher Ebene. Durch die Aufmerksamkeit für Stimmungsveränderungen und eine hohe Empathie sind Hochsensitive sehr gute Zuhörer. Sie stärken ein harmonisches und durch Loyalität geprägtes Miteinander und wirken damit übermäßigem Konkurrenzstreben entgegen. Zudem erfassen sie durch ihre komplexe Reizverarbeitung größere Zusammenhänge und entdecken besonders schnell Ungereimtheiten. Dadurch wirken sie heute als Seismographen für Fehlentwicklungen und Zukunftsperspektiven und das sowohl im beruflichen, politischen, wirtschaftlichen sowie freundschaftlichen und privaten Umfeld. Dementsprechend sind Hochsensitive nicht nur für soziale Berufe prädestiniert, sondern können in jedem Berufssektor konstruktive Beiträge leisten. Um die Hochsensitivität nun auch zu nutzen, muss die entsprechende Qualität natürlich erkannt werden.


Wie erkenne ich Hochsensitivität?

Da das Konzept der Hochsensitivität bisher nur eingeschränkt Verbreitung findet, wissen Hochsensitive meistens nichts von ihrer Wahrnehmungsbegabung. Weil sie sich zumeist schon in ihrer Kindheit anders als andere fühlten, schätzen sie ihre hohe Sensitivität selbst als fehlerhafte Abweichung von der Norm ein. Infolgedessen nutzen viele Hochsensitive die zugrundeliegenden Fähigkeiten kaum und verschenken damit ein immenses Potential. In vielen Fällen suchen Hochsensitive verschiedene Therapien auf, welche ohne Erfolg bleiben, da ihre Hochsensitivität seitens der Therapeuten mangels Wissens über dieses Phänomen nicht erkannt wird.

Denn bei diesem zugrunde liegenden Temperament greifen die üblichen Therapien nicht. Kommt es irgendwann zur Konfrontation mit Wissen über diese Wahrnehmungsbegabung, so erkennen sich Hochsensitive in entsprechenden Beschreibungen in der Regel spontan wieder und es tritt eine starke Erleichterung ein. Sie werten ihre Abweichung zunehmend als "normal" und sinnvoll. Zudem nimmt die Fähigkeit zu, die verarbeiteten Informationen konstruktiv einzusetzen und adäquat mit Reizfluten umzugehen. Für Normalsensitive ist das Erkennen der Hochsensitivität einer anderen Person nicht leicht. Ein guter Hinweis ist jedoch das Zusammentreffen der für Hochsensitive typischen Merkmale, welche in folgender Liste zusammengestellt sind:

  • Gefühle des Andersseins
  • Ausgiebiges Reflektieren, Schwierigkeiten in der Entscheidungsfindung
  • Komplexes Denken, sehr gutes Gedächtnis
  • ausgeprägte Empathie, Loyalität, Gerechtigkeitssinn
  • Kreative, künstlerische Fähigkeiten, anderer Humor
  • Reiches Innenleben, hohe Emotionalität
  • Überhöhte Selbstansprüche, Selbstzweifel, Selbstkritik, Perfektionismus
  • Hohe Empfindlichkeit gegenüber Sinnesreizen jeder Art
  • Starke Schmerzempfindlichkeit, Unverträglichkeitsreaktionen gegenüber Medikamenten




Autor: Miriam Jähne (Impulsdialog)

Quellen:

Reichardt, E. Hochsensitivität (HS). Abgerufen am 16.08.2015 von http://www.eliane-reichardt.de/themen/hochsensitivität-hs/

Reichardt, E. Kleine Gehirnkunde. Abgerufen am 16.08.2015 von http://www.eliane-reichardt.de/themen/wissenswerte-hintergründe/kleine-gehirnkunde/
Informations- und Forschungsverbundes Hochsensibilität e.V. (IFHS). Hochsensibilität – Was ist das? Abgerufen am 16.08.2015 von http://www.hochsensibel.org/startseite/infotext.html

Trappmann-Korr, B. Über Hochsensitivität / Hochsensibilität. Abgerufen am 15.08.2015 von http://www.trappmann-korr.de/hochsensitivität/artikel-über-hochsensitivität-hochsensibilität/

Anmerkung des Autors:
Das der leichteren Lesbarkeit halber ggf. verwendete generische Maskulinum schließt sämtliche sexuelle Identitäten ein und soll insofern nicht als Form sozialer Diskriminierung missverstanden werden.

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