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Ganz und gar nicht positive „Positivsymptome“ – Schizophrenie II

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Anknüpfend an unseren ersten, einführenden Artikel zu Schizophrenie, wollen wir nun tiefer in die Thematik einsteigen. Wir werden uns zunächst näher mit besonderen Symptomen der Schizophrenien beschäftigen und auf die Diagnosestellung eingehen.

Im letzten Artikel stellten wir eine Möglichkeit zur Einteilung der Symptome vor, nach welcher in Positiv-, Negativ- und sonstige Symptome unterschieden wird. Zu jeder Symptomkategorie wurden bereits einige Vertreter genannt und kurz erklärt. Besonders prominente Vertreter der Positivsymptome – namentlich die Halluzinationen, der Wahn, sowie die inhaltlichen- und formalen Denkstörungen – welche wiederum verschiedene Beispiele umfassen, sollen im Folgenden zunächst Gegenstand der Betrachtungen sein.

Prominente Positivsymptome

Halluzinationen


Wie wir wissen, sind die Betroffenen nicht in der Lage zu erkennen, dass das Wahrgenommene nur ihrem Inneren entspringt. Diese somit für wahr gehaltenen Sinneswahrnehmungen ohne äußeren Reiz lassen sich anhand der Häufigkeit ihres Auftretens gut nach verschiedenen Sinnesmodalitäten ordnen.

So machen akustische Halluzinationen ca. 74% aller bei Schizophrenien auftretender halluzinierter Wahrnehmungen aus und sind damit die am häufigsten auftretenden Halluzinationen. Darunter fallen alle möglichen Geräusche, inklusive Stimmen und lautwerdende Gedanken. Beim Stimmenhören kann es sich um streitende Stimmen (zwei oder mehr, die sich über den Betroffenen streiten), kommentierende Stimmen (bekannte oder fremde, die das Verhalten des Betroffenen kommentieren) oder imperative Stimmen (die Handlungsbefehle erteilen) handeln. Von Gedankenlautwerdung spricht man, wenn die betroffene Person gerade gedachte Gedanken laut hört, was leicht zu Scham, Verunsicherung, aber auch Paranoia führen kann. Der Übergang zu anderen akustischen Halluzinationen, wie dem Stimmenhören, ist oft fließend. Betroffene erschrecken oder zucken dabei oft unerwartet zusammen. Dies führt leider oftmals zu sozialem Rückzug bis hin zur Isolation. Gedankenlautwerden besitzen aber einen hohen diagnostischen Wert, da es bei Schizophrenie häufiger anzutreffen ist, als bei anderen Störungen.

Auch häufig finden sich taktile Halluzinationen und Körperhalluzinationen. Taktile Halluzinationen meinen die Wahrnehmung eines Kribbelns, Brennens, Stechens, einer Bestrahlung, Berührung oder eines Kratzens. Dementgegen beziehen sich Körperhalluzinationen eher auf ein Gefühl, dass sich im Körper etwas abspielt, beispielsweise, dass ein Organ seinen Platz wechselt.

Seltener treten visuelle Halluzinationen auf. Betroffene berichten von verschwommenen Farbwahrnehmungen bis hin zu deutlichen Visionen von Menschen oder Dingen. Darüber hinaus werden in seltenen Fällen auch Gerüche und Geschmäcker halluziniert, da theoretisch jeglicher Wahrnehmungskanal davon betroffen sein kann.

Wahn


Wahn ist ebenfalls ein häufiges Positivsymptom und tritt darüber hinaus häufig gemeinsam mit Halluzinationen auf. Er bezeichnet eine Störung des Denkinhalts, wonach eine falsche Überzeugung krankhafter Ursache besteht, die trotz eindeutiger und vernünftiger Gegenargumente beibehalten wird. Wie wir wissen, erleben die Betroffenen die Umwelt zudem als auf irgendeine Art verändert und bedrohlich. Sie ziehen sich deshalb häufig zurück. Der Wahn wird als Versuch verstanden, die als bedrohlich erlebte Veränderung zu erklären.

Es folgen drei häufig bei Schizophrenie auftretende Wahnformen: Beim Beziehungswahn wird den Handlungen anderer, Dingen und Ereignissen eine besondere, persönliche Bedeutung zugemessen.
Der umgangssprachlich bekannte Verfolgungswahn bezieht sich auf die Überzeugung, die Umwelt habe sich gegen den Betroffenen verschworen. Dieser werde deshalb betrogen, verleumdet, belästigt, behindert, ausspioniert, verfolgt oder müsse sogar um sein Leben fürchten.
Bei Größenwahn hält sich der Betroffene für ein (verkanntes) Genie, einen Entdecker oder für prominent. Der Wahn stellt hier den Versuch dar, sich mit Gedanken der eigenen Größe von der wahrgenommenen Bedrohung zu befreien.

Seltener zu finden sind hingegen der hypochondrische Wahn (die Bedrohung wird am eigenen Körper erlebt) oder der Liebeswahn (in Kürze wird wahnhaft eine beglückende Liebeserfahrung erwartet).

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