Persönlichkeit entwickeln

Dissoziation – das gespaltene Selbst

53510 Leser / 0 Kommentare
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)

Auf einen Blick:

1. Seite: Überblick Dissoziation

2. Seite: Überblick Dissoziation

3. Seite: Ursachen für Dissoziation

4. Seite: Therapie Dissoziation

5. Seite: Zusammenfassung

Seite 3 - Ursachen Dissoziationen

Welche Ursachen haben Dissoziationen?

Dissoziationen werden insbesondere beschrieben als Reaktion auf schwere Belastungen. Wie die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) handelt es sich nach der Ansicht vieler Psychologen um eine Traumafolgestörung. Im Gegensatz zu den Dissoziativen Störungen ist die klassische PTBS durch Flashbacks und Übererregung gekennzeichnet. Die Bezeichnung Dissoziativer Störungen als Traumafolgestörungen ist jedoch umstritten, da weder alle traumatisierten Personen dissoziative Symptome zeigen, noch bei allen Personen mit dissoziativer Symptomatik ein Trauma festgestellt werden kann.

Untersuchungen zeigen bisher, dass Dissoziationen insbesondere bei frühen und zwischenmenschlichen Traumatisierungen auftreten. Zudem geraten bei Traumatisierungsfolgen generell und besonders auch bei Dissoziativen Störungen emotionale Traumatisierungen in den Vordergrund. Dabei handelt es sich um solche Traumata, die weder physisch noch verbal wirksam sind, sondern vorrangig subjektiv emotional belastend wirken. Beispiele dafür sind schwere Verluste und überdauernde unpassende Rollenerwartungen (z.B. das Kind wird in eine Elternrolle gedrängt, kann daher seine Kindheit nicht als solche erleben und ist überdauernd überfordert mit der ungeeigneten Rolle).

Wer sich an dieser Stelle fragt, ob nicht prinzipiell jedes negative Ereignis ein Trauma sein könnte, der findet unterschiedliche Antworten dazu - je nach verwendeter Literatur. Das in Deutschland genutzte Diagnosemanual ICD-10 der WHO (Weltgesundheitsorganisation) beruft sich auf eine objektive Einschätzbarkeit von Traumata ("Jeder würde das Ereignis als sehr belastend empfinden."), während das amerikanische Diagnosemanual DSM-5 der APA (Amerikanischen Psychologischen Vereinigung) die subjektive Belastung ("Der Betroffene empfindet das Ereignis sehr belastend.") in den Vordergrund rückt. Durch diese uneinheitlichen Traumakonzeptionen ist es möglich, dass manche Traumata, die erlebt werden, nicht als „objektiv“ traumatisch aufgefasst und daher unzureichend berücksichtigt werden. Dies kann bewirken, dass Dissoziative Störungen nicht immer mit Traumata in Verbindung gesetzt werden können.

 

Was passiert im Körper?

Die Untersuchung zu körperlichen dissoziativen Prozessen fokussieren durch Traumata hervorgerufene körperliche Prozesse. Dissoziative Zustände werden hier interpretiert als Überlebensstrategien, Abwehrmechanismen oder Störungen der Informationsverarbeitung. Tiefenpsychologische Ansätze konzeptionieren Dissoziation als Abwehrmechanismus, indem unerträgliche Denkinhalte neutralisiert werden und Angst infolgedessen reduziert. Ausführlicher sollen im Folgenden die Annahmen einer Überlebensstrategie und der Störung der Informationsverarbeitung erklärt werden.

Eine deutsche Forschergruppe untersuchte die Entstehung dissoziativer Phänomene aus der Perspektive von Dissoziation als Überlebensstrategie. Mithilfe von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, die dissoziative Symptome zeigten, wurde die verteidigungsbezogene Reaktion gegenüber emotional unangenehmen Reizen erfasst. Die Untersuchungen zeigten, dass eine Reaktion auf belastende emotionale Reize zunächst zu einer erhöhten Aufmerksamkeit führt, die von körperlicher Unbeweglichkeit begleitet wird.

Wenn der Reiz als gefährlich eingestuft wird, dann wird der menschliche Sympathikus aktiviert, was mit einer Steigerung von Herzfrequenz, Blutdruck und Stoffwechsel einhergeht. Das bedeutet, dass sich der Körper auf Flucht einrichtet oder auf Kampf gegen die Gefahr, wenn eine Flucht nicht mehr möglich ist. Zu diesem Zeitpunkt steht der Körper sehr stark unter Stress. Ist der Kampf aussichtslos und die Gefahr wird als unkontrollierbar erlebt, so gelangt die Furcht bis zum Höhepunkt. Dieser wird von einer körperlich-muskulären Unbeweglichkeit begleitet. Man „erstarrt“ wortwörtlich vor Angst.

Zu dissoziativen Symptomen kommt es dann nur, wenn auf die Furchterstarrung während der Gefahr eine Erschlaffung des Körpers erfolgt. Diese geht einher mit einer Aktivierung des Parasympathikus, das heißt die Aktivitäten des Körpers werden wieder heruntergefahren. Wenn das Herunterfahren des Körpers besonders weit geht, dann kann es am Schluss zu einer Ohnmacht kommen. Während dieses Herunterfahrens oder kurz danach kann es zu dissoziativen Symptomen kommen.

Weiter auf der nächsten Seite...

Seite 1 2 3 4 5 / Auf einer Seite lesen / PDF Download

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Bewertung des Artikels:
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)