Persönlichkeit entwickeln

Die Illusion der freien und unabhängigen Entscheidung

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Die Biochemie beeinflusst unser Gehirn in besonderem Maße bei Entscheidungen bezüglich der Partnerwahl. Schon im Moment des Kennenlernens überprüfen wir evolutionär bedingt und unbewusst, ob das Objekt der Begierde sich eignet, um gesunden Nachwuchs zu zeugen. Eine große Rolle spielt da zum Beispiel der Geruch des Gegenübers. Der Major Histocompatibility Complex ist ein im Geruch enthaltender Code, der Auskunft über das Immunsystem des potentiellen Partners gibt. Unbewusst prüfen wir über den Geruchssinn, ob sich der Genpool des Partners von dem eigenen bzw. dem der Eltern unterscheidet. Frauen finden demnach Männer besonders attraktiv, dessen MHC-Gene sich von den eigenen unterscheiden.

Auch über die optische Wahrnehmung treffen wir bereits Entscheidungen, bevor der Verstand wirklich Zeit hat, gegebene Informationen zu verarbeiten bzw. sich rational mit ihnen auseinanderzusetzen: Frauen finden Männer besonders attraktiv, die groß und muskulös sind, ein kantiges Gesicht haben und dessen Taille-Hüfte Verhältnis 0,9 beträgt. Männer bevorzugen Frauen, die eine glatte Haut besitzen, hohe Wangenknochen, große Augen und ein Taille-Hüfte Verhältnis von 0,7. Unsere Entscheidungen werden in dem Moment, indem derartige Prozesse stattfinden, von unserem evolutionären Erbe gelenkt.

Auch auf Gefahrensituationen hat uns unser Hormoncocktail im Körper vorbereitet. Im Falle von gefährlichen oder bedrohlichen Situationen wird das Stresshormon Noradrenalin ausgeschüttet. Es sorgt dafür, dass wir blitzschnell reagieren können. Der Nachteil ist jedoch, dass dieses Hormon weite Teile der Großhirnrinde abschaltet, was rational-sinnvolle Entscheidungen quasi unmöglich macht. Um dem entgegenzuwirken und trotz Stress in Gefahrensituationen richtig zu entscheiden, versuchen z.B. Notärzte und Feuerwehrmänner ihre Handlungen und Abläufe so oft zu üben und zu wiederholen, dass sie diese automatisch abrufen können. Denn selbst in sehr stressigen Situationen können Automatismen abgerufen werden.

Bei schweren Entscheidungen empfehlen Psychologen sich eine Nacht Zeit zu nehmen und zu schlafen. Das beruhigt die Emotionen und lässt Raum zum Verarbeiten. Sollte das nicht funktionieren, so hat das menschliche Gehirn eigene Auswege. Psychologen bezeichnen das Phänomen, sich Situationen nachträglich schön zu reden als „synthetisches Glück“ oder „psychisches Immunsystem“. Wir stellen beispielsweise bei den teuren Markenklamotten fest, dass die Qualität den Preis rechtfertigt, also dass es doch etwas Gutes hatte, sich so entschieden zu haben.

Ein anderer Weg wäre, das Scheitern der Situation auf äußere Umstände zu schieben. Demnach kann unser Verstand nachträglich Fehlentscheidungen besser Verarbeiten, als verpasste Chancen. Besonders Entscheidungen, die aus dem Bauch heraus getroffen wurden, so die Psychologen, bereuen wir tendenziell am wenigsten. Sollte mal keine dieser Strategien eine Fehlentscheidung abwenden oder rechtfertigen, helfe immer noch Humor, denn aus Fehlentscheidungen kann auch gelernt werden oder auch eine lustige Anekdote entstehen.


Autor: Tim Franke (Impulsdialog)

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