Persönlichkeit entwickeln

Die Illusion der freien und unabhängigen Entscheidung

3614 Leser / 0 Kommentare
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)

Einfluss von Emotionen auf unser Denken

Bei kleinen Entscheidungen kann das Prinzip der Rationalität selten eine Hilfe sein. Zum Beispiel: Welchen Stift nehme ich zum Schreiben? Blau oder Schwarz? Keiner der beiden bietet einen direkten Vorteil. Lieber das Roggen- oder das Sonnenblumenkernbrötchen? Ein starker Prädiktor für unsere Entscheidungen sind unsere Emotionen. Sie prägen unseren Geschmack und lenken unsere Vorlieben. Radiosender spielen beispielsweise in der Regel alle Musik oder informieren uns. Aber wir entscheiden uns klar danach, welcher uns gefällt.

Je nach Situation können uns unsere Emotionen jedoch auch im Wege stehen. Bei rein ökonomischen Fragen zum Beispiel: Das Gefühl rät uns lieber in den Fair-Trade-Laden unserer Freundin zu investieren, weil sie liebenswürdig ist und eine Chance verdient hat. Hätten wir jedoch zum richtigen Zeitpunkt stattdessen in Aktien einer zukunftsträchtigen App investiert, hätten wir unter Umständen größeren finanziellen Gewinn erzielt. Unsere Emotionen hindern uns daran, in allen Situationen zweckrational zu handeln.

Der rationale Teil unseres Gehirns kann sich verschiedene mögliche Ausgänge einer Situation vorstellen und sich für die Sinnvollste entscheiden. Die Emotionen sorgen dafür, dass wir uns gleichzeitig in den möglichen Szenarien vorstellen, wie wir uns in dieser Situation fühlen würden. Um bei dem Beispiel der Investition zu bleiben: Rational wäre die Entscheidung für eine zukunftsträchtige App, jedoch lenken uns unsere Emotionen davon ab. Sie fungieren als moralischer Berater des Gehirns. Wir fühlen uns besser, wenn wir eine Freundin unterstützen, als dass wir unser Geld in eine namenlose Institution investieren.

 

Der Einfluss von Hormonen

Das Belohnungszentrum im Gehirn reagiert auf Entscheidungen. So konnten Forscher zeigen, dass das Gehirn in Bruchteilen einer Sekunde vor einer Entscheidung überprüft, ob ihm eine der Alternativen bekannt vorkommt. Dahinter steckt der Neurotransmitter Dopamin, besser bekannt als das Glückshormon. Es wird ausgeschüttet, sobald wir uns für etwas Vertrautes entscheiden. Die vertraute Alternative lockt uns zum Beispiel bei Marken. Hat man einmal eine gute Erfahrung z.B. mit einem Handy der Marke Nokia gemacht, tendiert man dazu, sich beim folgenden Handy wieder für Nokia zu entscheiden. Dennoch ist die vertraute Variante nicht immer die bessere. Opportunitätskosten, also Möglichkeiten, die wir zugunsten einer vertrauten Variante ausschlagen, sind in solchen Situationen nur schwer abschätzbar. Das Handy der Marke HTC hätte vielleicht eher unseren Bedürfnissen entsprochen. Dopamin bringt uns also noch vor der bewussten Entscheidung dazu, die risikoärmere Entscheidung zu bevorzugen.

Ganz anders steuert uns das Hormon Testosteron. Es fördert die Risikobereitschaft und begünstigt egozentrische Entscheidungen. Daraus folgt, dass pubertierende männliche Jugendliche, mit einem hohen Testosteronspiegel, sich zu Mutproben hinreißen lassen. Und rational durchdacht sind derartige Mutproben in den seltensten Fällen.

 

 

Weiter auf der nächsten Seite...

Seite 1 2 3 / Auf einer Seite lesen / PDF Download

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Bewertung des Artikels:
Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)Stern (leer)