Persönlichkeit entwickeln

Autismus - Durch Wiederholung zur Perfektion?

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Autismus ist ein Begriff, der den meisten bekannt ist. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter dem Begriff Autismus? Sind alle Autisten inselbegabt und wie steht es mit ihrer Empathiefähigkeit? In diesem Artikel wollen wir diese und ähnliche Fragen betrachten, so dass der Begriff Autismus eindeutiger wird.

Unter Autismus versteht man eine tief greifende Entwicklungsstörung, die sich schon im frühen Kindesalter in einer Störung der Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung manifestiert. Andere Forscher und auch Autisten selbst, bezeichnen diese Krankheit als einen angeborenen, abweichenden Informationsverabeitungsmodus, der durch Schwächen in der sozialen Interaktion und Kommunikation, sowie durch sich ständig wiederholende, nicht zielführende, monotone Tätigkeiten charakterisiert ist. Dabei werden allerdings auch Stärken betont, die sich auf die Wahrnehmung, das Gedächtnis, und die Intelligenz beziehen. Es wird zwischen dem frühkindlichen Autismus (Kanner Syndrom) und dem Asberger Syndrom unterschieden. Das Asperger Syndrom zeigt sich häufig erst nach dem dritten Lebensjahr. Der frühkindliche Autismus beeinflusst die Soziale Interaktion, die Kommunikation und kann zu repetitiven und stereotypen Verhaltensmustern führen.

Soziale Interaktion:


Kinder mit frühkindlichem Autismus zeigen schon ziemlich früh abweichende Verhaltensweisen in der sozialen Interaktion. So ist diese zu ihren Eltern eingeschränkt. Die Kinder lächeln nicht zurück wenn sie angelächelt werden, sie nehmen nur sehr geringen Blickkontakt zu ihren Eltern auf und wirken im Allgemeinen desinteressiert an sozialen Beziehungen. Trotzdem konnte noch nicht eindeutig gezeigt werden, dass emotionale Beziehungen von autistischen Kindern zu ihren Müttern geringer sind, als die nicht autistischer Kinder. Hier gibt es widersprüchliche Forschungsbefunde. Neuere Forschungsbefunde konnten allerdings immer wieder zeigen, dass die Empathiefähigkeit bei Autisten eingeschränkt ist. Menschen mit Autismus zeigen häufig eine starke Objektbezogenheit. Dies geht so weit, dass man häufig den Eindruck bekommt, dass ihnen diese Objekte wichtiger sind, als soziale Beziehungen. So können beispielsweise Kopfkissen, Bälle, Teller etc. eine sehr hohe Bedeutung erlangen. Dies führt dann zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Gegenstand wie zum Beispiel das ständige Rollen eines Balles oder das genaue Sortieren von Bausteinen nach Farbe und Größe.

Kommunikation:


Kinder mit Autismus sind in ihrer Sprachentwicklung gehemmt. Ca fünfzig Prozent entwickeln keine Lautsprache. Die anderen fünfzig Prozent erlernen die Sprache verzögert und beginnen mit einer langen Phase, in der nur gelallt wird. Einige Personen verbleiben auch in diesem Stadium. Grade im Kindesalter werden Pronomia häufig vertauscht. So werden zum Beispiel andere Personen mit „Ich“ bezeichnet und die eigene Person mit „Wir“. Weitere Probleme treten bei Ja/Nein fragen auf. Hier antworten Autisten häufig mit einer Wiederholung der kompletten Frage, ohne diese zu beantworten. Am typischsten für Autisten ist allerdings, dass sie nicht zwischen den Zeilen lesen können. Zwar verstehen sie die Sätze an sich, doch fällt es ihnen schwer diese über die Wortbedeutung hinaus zu verstehen. Daher klingt die Stimme von Autisten oft sehr eintönig. Deshalb ist es auch schwer, mit Autisten in Kontakt zu treten. Grade für Eltern eines Autisten ist es teilweise sehr problematisch, mit ihren Kindern zu kommunizieren.

Autisten wirken in sozialen Kontexten häufig sehr zurückgezogen und sonderbar. Die visuellen und auditiven Wahrnehmungen von ihnen sind häufig viel stärker ausgeprägt als im Normalfall. Dadurch leiden sie häufig an einer Reizüberflutung. Um dieser zu entgehen, ziehen sie sich zum Selbstschutz zurück. Auch hinsichtlich des Körperkontakts können Autisten schnell überfordert sein, da sie häufig einen sehr sensiblen Tastsinn besitzen, der dazu führt, dass sie keinen Körperkontakt mögen. Andere wiederum nehmen teilweise sozial unangemessen viel Körperkontakt auf. 

 

Repetitive und stereotype Verhaltensmuster

Für Autisten ist es sehr wichtig, dass es keine Veränderungen gibt. So können schon umgestellte Möbel oder eine andere Umgebung, Autisten in Panik versetzen. Autisten benötigen zudem eine starke zeitliche Routine und klare Handlungsabläufe. Werden diese gestört, kann es vorkommen, dass dem Autisten keine alternativen Handlungsstrategien vorliegen und er sich sehr beunruhigt fühlt. Ist der Autismus sehr stark ausgeprägt, kann es auch zu sich ständig wiederholenden Verhaltensabläufen kommen wie zum Beispiel das ständige Beißen in Bälle, mit dem Kopf oder Oberkörper wackeln, im Kreis umhergehen oder Oberflächen betasten. Häufig kommt es auch zu selbstverletzenden Verhaltensweisen wie zum Beispiel das Schlagen des Kopfes gegen eine Wand, Nägel bis zum Nagelbett abknabbern und sich selbst beißen. Dies dient typischer Weise als Spannungsabbau. Aber auch die sich wiederholenden Abläufe, können zu einem Spannungsabbau führen. Denn auch bei Personen ohne Autismus führt eine Gewisse Regelmäßigkeit zu Ruhe.

 

Autisten und Ihre Inselbegabung

Eine weit verbreitete Auffassung ist, dass sehr viele Autisten Inselbegabungen besitzen. Tatsächlich weisen nur 10 Prozent diese auf. Personen mit einer Inselbegabung werden Savants genannt. Von allen Savants sind 50 Prozent Autisten. Savants kennzeichnen sich dadurch, dass sie in einem Bereich überdurchschnittliche Fähigkeiten aufweisen, wohingegen sie Probleme haben andere einfache Tätigkeiten, wie beispielsweise Brotschneiden auszuführen. Bis heute versuchen Wissenschafter Savants zu erforschen. Doch sind diese so unterschiedlich, dass dies bis heute ein sehr unerforschtes Gebiet ist. Erstaunlich sind ihre unglaublichen Gedächtnisleistungen. Wie ein Computer können sie unglaubliche Mengen an Wissen abspeichern und dieses problemlos abrufen. Meistens sind diese Inselbegabungen auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt. Manchmal besitzt ein Inselbegabter jedoch auch mehrere Talente wie zum Beispiel der 29 jährige Engländer Daniel Tammet, der extrem gute mathematische Fähigkeiten besitzt und neun Sprachen fließend spricht. Doch meist sind sie in anderen Bereichen so beeinträchtigt, dass sie ständig auf fremde Hilfe angewiesen sind. Häufig weisen Savants hohe Musikalische Fähigkeiten auf, die grade dann besonders stark ausgeprägt sind, wenn Blindheit vorliegt. Auch haben Savants ein extrem gutes Gedächtnis und können ganze Karten und Bilder absolut detailgetreu abspeichern.

Ursachen für Autismus

 

Früher wurde häufig vermutet, dass Autismus aus einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung entsteht. Doch zeigt die neue Forschung, dass es eher biologische und genetische Faktoren sind, die Autismus bedingen. Sehr wahrscheinlich spielen bei Autismus Hirnfunktionsstörungen eine Rolle, wobei die Ergebnisse in Bezug auf die Entstehung unterschiedlich sind. Mögliche Ursachen sind auch genetische Vererbung oder biochemische Besonderheiten. Diese sind aber noch schwer zu beurteilen sind, da die Meinungen hier außeinandergehen. 

Autor: Lukas Lier (Impulsdialog)



Quellen:

Brita Schirmer: Das Kommunizieren lernen. Besonderheiten im Kommunikationsverhalten von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung und therapeutische Konsequenzen. In: unterstützte kommunikation & forschung 1: Hirnforschung und Autismusspektrumsstörung. Von Loeper, Karlsruhe 2011.

The Level and Nature of Autistic Intelligence, 11.2006 Michelle Dawson, Isabelle Soulières, Morton Ann Gernsbacher, Laurent Mottron: The Level and Nature of Autistic Intelligence.

http://www.autismus.de/
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/tid-12850/inselbegabung-genial-und-doch-geistig-behindert_aid_355173.html

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