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Diagnose Multiple Sklerose - Erfahrungen aus meinem Leben mit MS

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Wenn ich Menschen davon erzähle, dass ich Rentner bin, denken Sie meist ich müsse schon sehr alt sein. Doch das bin ich nicht. Der Grund warum ich berentet bin, ist meine Erkrankung: Multiple Sklerose. Ich habe mich entschlossen davon zu berichten und möchte meinen Gedanken freien Lauf lassen. Ich hoffe, dass Menschen in einer ähnlichen Situation Kraft daraus schöpfen können.

Multiple Sklerose heißt übersetzt: Viele Herde. Es besteht der Irrglaube, MS sei Muskelschwund aber das stimmt nicht. MS ist eine Autoimmunerkrankung.Doch was ist MS und was passiert da eigentlich in meinem Körper?

Es gibt eine Blut-Hirn-Schranke die verhindern soll, dass unter anderem weiße Blutkörperchen in das Hirnwasser gelangen. Bei MS-Patienten ist diese Schranke durchlässig oder gar nicht mehr vorhanden. Wie und warum diese Schranke durchlässig ist oder zerstört wurde weiß niemand. Die Verbindungen zwischen den Synapsen sind mit der sogenannten Myelinschicht ummantelt. Diese ist wichtig, um die Informationen von einer Synapse zur anderen weiterzuleiten. Wird diese Schicht beschädigt oder zerstört kommt es zu so genannten Missempfindungen oder zu Ausfällen des Bewegungsapparates. Die Hirnleistung gerät dadurch ebenfalls in Mitleidenschaft. Die Myelinschicht hat einen ähnlichen Aufbau wie der von Viren, weshalb die weißen Blutkörperchen diese angreifen, beschädigen oder gar zerstören. Die weißen Blutkörperchen machen sozusagen nur ihren Job indem sie Fremdkörper oder Gefahren für den Körper neutralisieren. In diesem Fall zerstören sie aber die für das Gehirn und für das Rückenmark wichtigen Verbindungen. Diese Verletzungen der Nervenbahnen sieht auf dem MRT- Bild (Magnetresonanztomographie) aus, wie eine helle Stelle. Daher auch der Begriff „Herde“.

Es ist schwierig sich vorzustellen, dass der eigene Körper sich selbst zerstört oder besser gesagt, die Grundlage zum Leben. Wenn man diese Diagnose bekommt und sich die Informationsmaterialien durchließt, kann man gar nicht begreifen, was das wirklich für einen selbst bedeutet. Wenn der sogenannte Ausbruch erfolgt ist meist nicht viel anders. Es liegt meist an dem Selbstbetrug, dem man verfällt, da die Symptome oftmals wieder verschwinden. Man passt sein Lebensstil nicht der Lebenssituation an sondern macht weiter wie bisher. Das liegt auch teilweise an der Gesellschaft in der wir leben, da wir uns selbst weiterhin unter Leistungsdruck setzen und wir uns selten Gedanken über unsere Gesundheit machen. Auch die Alternativen fehlen nach solch einer Diagnose. Entweder halten wir dem Druck stand oder wir werden herauskatapultiert und sitzen mit nichts mehr da, außer dem was einem geboten wird im Krankheitsfall. Das reicht weder zum Leben, noch um sich irgendetwas aufzubauen. Es wird sogar täglich unterschwellig suggeriert, dass wir es nicht wert sind, da wir keine Leistungen mehr erbringen. Es wird nicht verstanden, dass wir gar nicht mehr in der Lage sind diese zu bewältigen.





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